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BUND-Kreisgruppe Wesel

Wölfin Gloria: Kein Single mehr

18. April 2020 | Artenschutz, Wolf

Schon seit einigen Wochen gab es Gerüchte um einen zweiten Wolf im Wolfsgebiet Schermbeck .....

Wölfe (Canis lupus)  (©christels (pixabay))

Gegen Ende ihres zweiten Lebensjahres - mit Eintritt der Geschlechtsreife - verlassen Jungwölfe ihr elterliches Rudel und machen sich auf den auf den Weg, ein eigenes Revier zu suchen. Ein solcher Jungwolf scheint das Revier von Wölfin Gloria für sich entdeckt zu haben. Allerdings: Noch bleibt abzuwarten, ob ihre Partnerschaft von Dauer ist.
 

 

Wölfin Gloria: Kein Single mehr?

Der Beweis: Am Ostermontag macht ein Handy-Video, das zeigt, wie vermutlich Wölfin Gloria zusammen mit einem zweiten Wolf in der Nähe von Hünxe einen Hirsch attackiert, die Runde. Eine Nachricht, auf die viele Naturschützer gewartet und die viele Schäfer befürchtet haben.

Wird es Nachwuchs geben? – Eine Frage, die Naturschützer jetzt brennend interessiert.

Zunächst einmal muss es sich bei dem zweiten Wolf um einen Rüden handeln, was wahrscheinlich ist, da ein zweiter weiblicher Wolf von Gloria eher als Eindringling in ihr Revier angesehen und vertrieben worden wäre.

Die Paarungszeit der Wölfe liegt in den Monaten Januar – März. Die Fähe ist ca. eine Woche empfängnisbereit. Die Welpen (meist vier-sechs) kommen dann zwischen April und Juni auf die Welt. Da es schon seit mehreren Wochen Gerüchte um einen zweiten Wolf im Wolfsgebiet gibt, ist es nicht auszuschließen, dass es am Niederrhein die erste Wolfsfamilie, ein sogenanntes Rudel, NRWs geben wird. Aber das bleibt abzuwarten.

Werden Übergriffe auf Nutztiere zunehmen? – Eine Frage und damit verbundene Sorge, die Nutztierhalter jetzt umtreibt.

Ein zweiter Wolf muss nicht unbedingt zu mehr Übergriffen auf Weidetiere führen: Wölfe jagen Tiere, die größer und schwerer sind als sie selbst. Auch wenn sie dabei gezielt alte, kranke und schwache Tiere angreifen, bedeutet eine Jagd für einen Wolf erheblichen Energieaufwand und ist immer mit einem Verletzungsrisiko verbunden. Einzelwölfe sind bei der Jagd auf Wildtiere oft chancenlos und vergreifen sich daher an den für sie leichter zu erbeutenden Nutztieren. Erfahrungen haben gezeigt, dass sich Wölfe in Rudeln eher zutrauen, Wildtiere anzugreifen und dann weniger Weidetiere reißen.

Nach erfolgreicher Jagd ziehen Wölfe ihre Beute an einen sicheren Ort, wo sie ungestört fressen können. Sie kehren später zu den Überresten ihrer Beute zurück, um die Reste zu fressen. Das können sie mit erlegten Weidetieren, die sie auf der Weide zurücklassen müssen, nicht machen. Der Hunger macht also bald eine erneute Jagd, bzw. einen erneuten Übergriff nötig.

Um Übergriffe auf Nutztiere zu verhindern, ist es deshalb wichtig, im Wolfsgebiet Nutztiere lückenlos zu schützen und dem Wolf den Zugang zur Weide so zu erschweren, dass Nutztiere für ihn keine leicht zu jagende Beute mehr darstellen.“ Der Einsatz von Herdenschutzhunden hat sich bewährt. Ohne Herdenschutzhunde muss aufwändiger gezäunt werden. Wie genau ist auf der Website des DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf)  beschrieben. Eine Erschwernis für den Wolf lässt sich auch erreichen, indem der Zaun verändert wird: Ein 90cm Elektronetz, wird durch eine 120cm hohe gespannte Elektrolitze ergänzt, die mal vor, mal hinter den Zaun gesetzt wird, ein andermal wird dichtes Flatterband genommen. Der Wolf sieht sich jedes Mal mit einer neuen Situation konfrontiert und wird verunsichert.

Der BUND hat sich immer dafür eingesetzt, dass die Kosten für den erhöhten Arbeitsaufwand beim Zäunen und die Kosten für Herdenschutzhunde den Schäfern erstattet werden. Die Förderrichtlinie Wolf - so hat Ministerin Heinen-Essen im Januar dieses Jahres den Schäfern und zugesagt – wird überarbeitet und diese Punkte berücksichtigen. Damit die Zahlungen bei den Schäfern ankommen, muss die EU ihre Zustimmung zu der erhöhten Förderung geben, was leider lange, in unseren Augen zu lange dauert. Wie eine Rückfrage beim Ministerium ergab, soll eine geänderte Förderrichtlinie Wolf jedoch demnächst in Kraft treten. Diese sollte jetzt abgewartet werden.

Verhalten sich Wölfe, die im Hellen in der Nähe von Wohnhäusern jagen noch artgerecht?

Wölfe sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Da kann es durchaus sein, dass sie in den frühen Morgenstunden noch aktiv waren, vor allem, wenn sich durch einen lahmenden Hirsch – wie Revierförster Herbrecht in einem Zeitungsbericht angab – eine günstige Gelegenheit zur Jagd ergab.

Tiere können zwischen Lebewesen und unbelebten Gegenständen unterscheiden. Häuser und andere unbelebte Bauwerke des Menschen empfindet der Wolf nicht als gefährlich und nähert sich ihnen, wenn er sein Revier abläuft oder wie in diesem Fall einem Beutetier folgt. Dass beide Wölfe beim Erscheinen eines Menschen von ihrem Beutetier abließen und sich vertreiben ließen, zeigt, dass sie den Menschen meiden; eigentlich eine Situation, wie sie im Lehrbuch steht.

Zum Schutzstatus des Wolfes

Zum Schluss: Wölfe sind streng geschützt. Diesen Schutzstatus hat der Europäische Gerichtshof mit seinem Urteil zur finnischen Wolfsjagd (Oktober 2019) bestätigt. Danach darf ein Wolf nur in Ausnahmefällen getötet werden, zum Beispiel, wenn er eine Gefahr für Menschen darstellt. Über eine Regulierung des Wolfsbestandes, wie er von Seiten der Jägerschaft immer wieder angedacht wird, braucht sich nach diesem Urteil zurzeit niemand Gedanken machen.

Kommentar zum EUGH-Urteil zur gezielten Jagd auf Wölfe

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