BUND-Kreisgruppe Wesel

Wir fordern: Kein Abschuss von Wölfin Gloria

27. Dezember 2020 | Artenschutz, Wolf

Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. sowie die BUND Kreisgruppe Wesel fordern erneut den konsequenten Schutz der Wölfe im Wolfsgebiet Schermbeck. Mehr dazu...

Wolf (Canis lupus) Symbolbild  (© jggrz/pixabay)

Nach der für Naturschützer frohen Nachricht vom Umweltministerium des Landes NRW, dass im Schermbecker Wolfsgebiet jetzt ein Welpe nachgewiesen wurde, mussten sie einen Tag später den Zeitungen entnehmen, dass der Schermbecker Rat für den Abschuss der Wölfin gestimmt hat.

Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, sagte dazu: „Wer den Abschuss von Gloria fordert, ignoriert sowohl die Rechtsgrundlage als auch die wissenschaftliche Faktenlage, ist insofern rein populistisch unterwegs“.

Rolle von Bündnis90/Grüne enttäuschend

Die BUND-Kreisgruppe Wesel zeigt sich insbesondere von der Rolle enttäuscht, die einige Politiker von Bündnis90/Grüne sowohl in Schermbeck als auch im Kreis Wesel in der Diskussion um einen Abschuss der Wölfin spielen. Naturschutz als wichtiger Teil des Umweltschutzes scheint ihnen fremd geworden zu sein. Auf der Seite ihrer Bundestagsfraktion heißt es dagegen: 

Symbolpolitik: Den Wolf zum Abschuss frei geben, ist keine Lösung

Die Forderung nach einem Abschuss ist für uns insbesondere deshalb unverständlich, weil im Wolfsgebiet Schermbeck kein flächendeckender Herdenschutz vorhanden ist.

Im Wolfsgebiet muss ein flächendeckender Herdenschutz dringend umgesetzt werden

Wie einer Pressemeldung des Umweltministeriums vom 1.10.2020 zu entnehmen ist, gab es im Sommer bei 9 von 10 Übergriffen, die der Wölfin GW954f zugeordnet werden konnten, keinen ausreichenden Herdenschutz.
Dabei verhält es sich mit dem Herdenschutz genauso wie mit dem Mund-Nasenschutz gegen das Corona-Virus: Nur wenn alle konsequent mitmachen, ist die Wirkung nachhaltig. So wäre es Aufgabe von Politik und Verwaltung jetzt auf die Schafhalter zuzugehen und den konsequenten Herdenschutz einzufordern.
Frank Faß vom Wolfscenter Dörverden in Niedersachsen weist in seinem Buch "Wildlebende Wölfe" (siehe Seite 74), welches eigentlich eine Anleitung für den Herdenschutz ist, darauf hin, dass "Tierhalter von Tieren, die nicht in Gebäuden untergebracht sind, gesetzlich verpflichtet sind, diese soweit möglich und erforderlich vor widrigen Witterungsbedingungen, Raubtieren und Gefahren für die Gesundheit zu schützen".
Einige der Weidetierhalter haben reagiert und arbeiten mit Herdenschutzhunden oder Aufstallung der Tiere über Nacht. Dort wo dies nicht umgesetzt werden kann, muss die Konzeption der genutzten Zäune überdacht werden.
Anlässlich eines Zaunaktionstages des NABU im Juli 2019, wo leider nur wenig Nutztierhalter aus der Region zugegen waren, wurde zum Beispiel ein Festzaun mit vorstehender Elektrolitze vorgestellt - ein Modell, dass sich zum Beispiel gut für Gatterwild eignen würde.

Verhält sich Gloria artuntypisch?

Eine nicht wolfssicher gezäunte Weide mit Schafen oder Gatterwild ist für jeden Wolf ein echtes „Fastfoodrestaurant“, das eine schnelle und sichere Bedürfnisbefriedigung garantiert. Jeder Wolf würde da zugreifen, braucht er doch nicht – oft vergeblich – einem Wildtier im Wald hinterherzulaufen, noch riskiert er eine Verletzung, durch Huftritte oder Hauer, die ihn jagdunfähig macht. Deshalb verhält sich die Wölfin mitnichten artuntypisch.
Auch ist bisher noch nicht bekannt, dass sich die Tiere Menschen nähern oder gar gefährden, wie immer wieder behauptet wird. Der Vorfall zu Ostern, als eine Frau die Wölfe von einem Hirsch, den sie jagten und der sich in die Nähe ihres Wohnhauses geflüchtet hatte, vertreiben konnte, zeigt, dass sie den Menschen meiden und sogar von einer ziemlich sicheren Beute abließen.

Abschuss von Elterntieren ist problematisch

Ein Blick über die Landesgrenzen reicht außerdem, um festzustellen, dass der Abschuss eines Elterntieres die Probleme der Weidetierhalter eher verstärkt als reduziert, da das übrig gebliebene Elterntier nun verstärkt auf leicht zu fangende Beute angewiesen ist.

Sachpolitik statt Symbolpolitik

Unser Fazit: Das Vorgehen aller politischen Parteien am Niederrhein, die für einen Abschuss der Wölfin stimmten oder im Kreis ggf. noch stimmen wollen, ist inakzeptabel – es hilft weder den Weidetierhaltern noch werden die eigentlichen Probleme, die mit der Rückkehr des Wolfes einhergehen, dadurch gelöst.
Wir möchten die handelnden Politiker auffordern, sich auf die Fakten besinnen und sich von reiner Symbolpolitik zu verabschieden.

Pressemitteilung der BUND-Kreisgruppe Wesel zum Thema: Abschuss von Wölfin Gloria.

Bildstrecke: Ein konsequenter Herdenschutz minimiert die Wolfsübergriffe auf Weidetiere

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