BUND-Kreisgruppe Wesel

Weihnachtsgruß 2022

20. Dezember 2022 | Klimawandel, Artenvielfalt

Frohe Weihnachten für alle !!! Darüber hinaus haben wir für Euch einen Weihnachtsgruß, in dem wir u.a. der Frage nachgehen, was Schokoladenweihnachtsmänner mit Biodiversität zu tun haben....

Schokoladenweihnachtsmänner, 3 von 160 Millionen, die 2021 in Deutschland produziert wurden  (© Frauke Riether/ Pixabay)

Weihnachten 2022

Ein ereignisreiches und uns alle forderndes Jahr neigt sich dem Ende, das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Zeit zurückzublicken und zu fragen, was wir im letzten Jahr nicht mehr geschafft haben und was wir im nächsten Jahr auf jeden Fall besser machen müssen. Da fallen uns spontan Klima- und Biodiversitätskrise ein. Das 1,5 Grad-Ziel werden wir kaum noch erreichen können. Deshalb müssen wir uns ganz jetzt ganz besonders anstrengen – jedes Zehntel-Grad weniger an globaler Erwärmung ist ein Gewinn für jeden von uns. Nachdem die 15. Weltnaturkonferenz mehrmals verschoben werden musste, wurde sie gerade noch vor Weihnachten in den internationalen Konferenzmarathon gequetscht. Der Erfolg: ein Abkommen - nicht rechtlich bindend und genauso „erfolgreich“ in der Umsetzung wie das Pariser Klimaabkommen von 2015? So darf es nicht kommen, denn jede Tier-, jede Pflanzenart, die wir vor dem endgültigen Aussterben bewahren, wird das Leben der Menschen bereichern.

Und so fragen wir uns vor dem Weihnachtsfest einfach mal:

Was hat ein Schokoladenweihnachtsmann mit Biodiversität zu tun?

Die deutsche Süßwarenindustrie hat im letzten Jahr (2021) ca. 160 Millionen Schokoladen-Weihnachtsmänner hergestellt. 57 Millionen für den Export, 103 Millionen bevölkerten in den Wochen vor Weihnachten die Geschäfte vor Ort oder wurden vom Versandhandel an ihren endgültigen Bestimmungsort geschickt. Dafür werden ca. 13.000 Tonnen Schokolade benötigt.

Stellt sich die Frage, ob es in Zukunft immer genug Kakao für so viel Schokoladenweihnachtsmänner geben wird.

Die Wildform des Kakaobaums stammt aus dem Amazonasbecken, wo er im Schutz schattenspendender Bäume im Regenwald wächst. Bereits um 1100 v. Chr. wurde der Kakaobaum in Mexiko, Honduras und Guatemala kultiviert. Heute wird Kakao in vielen Ländern rund um den Äquator hauptsächlich in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut, und der Anbau (oft in Agroforstkulturen) ist nicht einfach. Im Alter von zwei bis drei Jahren bildet ein Kakaobaum kleine Blüten: mehrere tausend jedes Jahr. Von all diesen Blüten werden jedoch nur wenige bestäubt: maximal 10 Prozent.

Mehrere Universitäten, darunter die Universitäten in Würzburg und Göttingen, erforschen, wie sich Erträge beim Anbau von Kakaobohnen steigern lassen, um u.a. den kleinbäuerlichen Betrieben ein besseres Einkommen zu ermöglichen. Durch künstliche Bestäubung wurde gezeigt, dass Kakaobäume tatsächlich deutlich mehr Früchte ansetzen, wenn die Bestäubungsintensität erhöht wird. Um eine bessere Ernte zu erzielen, wäre es deshalb wichtig, die Blütenbesuche durch Insekten zu erhöhen.

Lange Zeit nahm man an, dass winzige, 1-3 mm große Mücken die für Bienen viel zu kleinen Blüten des Kakaobaums, bestäuben. Aktuelle Untersuchungen bei mehreren Kakaobauern in Indonesien brachten neue Bestäuber ins Spiel: Die Forscher präparierten Blüten von Kakaobäumen mit einem speziellen Kleber. Die Blütenbesucher hingen fest und konnten bestimmt werden. Statt Mücken besuchten hauptsächlich kleine Fliegen die Blüten und am häufigsten sogar Ameisen. Man vermutet, dass Ameisen die Bestäuber zu einem schnelleren Blütenwechsel drängen, wenn sie Blüten besetzen und so die Bestäubung intensivieren.

Und jetzt zur Biodiversität:

Biodiversität bedeutet: Vielfalt der Arten, Vielfalt des Erbguts innerhalb einer Art und Vielfalt der unterschiedlichen Lebensräume. Der Kakaoanbau zeigt, wie wichtig es ist, die Vielfalt der Arten zu erhalten. Es wäre tragisch, wenn die Bestäuber aussterben würden, z.B. durch den Einsatz von Pestiziden, bevor wir ihre Rolle in dem Prozess überhaupt verstanden haben. Und die Vielfalt der Lebensräume spielt eine Rolle, da das Zusammenspiel von Bestäubern, indirekten Unterstützern der Bestäubung (Ameisen) und Blüten in einem anderen Lebensraum, also in Afrika oder Süd- bzw. Mittelamerika anders aussehen kann als in Indonesien. Nicht nur am Beispiel des Kakaoanbaus gibt es noch viel zu erforschen.

Die BUND-Kreisgruppe Wesel wünscht Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und  ein glückliches, Neues Jahr, ein besseres als es das vergangene war.

 

 

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