BUND-Kreisgruppe Wesel

Mitmach-Aktion Naturfotos aus dem Kreis Wesel - Windkraft

18. Juli 2020 | Energiewende

Windkraft – Segen und Fluch, schreibt Martin Lux zu seinem Bild mit den Windrädern im Sonnenuntergang. Wir benötigen die Windkraft dringend, um aus der Kohle auszusteigen und das Klima zu retten. Naturschützer dagegen beklagen den Tod zahlreicher Vögel und Fledermäuse. Mehr dazu...

Windräder in der Abensonne bei Rheurdt in Blickrichtung Aldekerk  (© Martin Lux)

Windkraft – unverzichtbar für’s Klima

Windkraft leistet einen erheblichen und unersetzbaren Beitrag zum Gelingen der Energiewende, effektiver Klimaschutz ist ohne sie nicht machbar. Im letzten Jahr (2019) produzierten Windkraftanlagen in Deutschland etwa 24% des verbrauchten Stroms. Noch mehr Strom aus Windenergie zu erzeugen, hat für eine zukunftsfähige Energieversorgung auf dem Weg zu einem CO2-freien Europa einen zentralen Stellenwert. Dazu wird vor allem der Ausbau von Windkraftanlagen in der Nordsee („offshore“) weiter gefördert.  An Land existierten Ende des Jahres 2019 29.456 Windräder – doch der Ausbau der sog. Onshore-Windkraftanlagen ist heftig ins Stocken geraten – schlecht für die Energiewende und schlecht für`s Klima.

Windkraftanlagen sind umstritten

So positiv Windenergie für den Klimaschutz ist, Windkraftanlagen sind auch umstritten. Sie erzeugen Geräusche, auf die manche Menschen sehr empfindlich reagieren. Hier hilft nur die klare Einhaltung von Mindestabständen zu Wohngebieten. Der BUND fordert mehr regionale Windkraftanlagen in Bürgerhand (Genossenschaften). Wo Anlieger den konkreten Nutzen der Windkraft erfahren und von ihr profitieren, steigt die Akzeptanz für Windkraftanlagen.

Windkraftanlagen und Naturschutz

Nicht nur Anwohner, auch viele Naturschützer sehen die Anlagen kritisch. Nach Schätzungen von Fachleuten kommen jährlich zwischen 10.000 und 100.000 Vögel an Windkraftanlagen ums Leben. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen in  Norddeutschland an 550 Windrädern fand man in einem Zeitraum von 12 Wochen 291 getötete Vögel. Aber nicht nur Vögel, auch Fledermäuse verenden in großer Zahl, wenn sie von den Rotorflügeln erfasst werden. Wirklich belastbare Zahlen zu den Fledermäusen haben wir bei unseren Recherchen leider nicht gefunden. Die Betreiber der Windkraftanlagen versuchen jedoch, die Zahlen durch eine Abschaltung der Windkraftanlagen in Zeiten von erhöhter Fledermausaktivität gering zu halten.

Generell Gefahrenquellen für Tiere minimieren und ihre Lebensräume verbessern

Zu den von Windrädern getöteten Vögel, kommen jährlich ca. 18 Millionen (!) Vögel die an Glasfronten und Fensterscheiben sterben. Diese Zahl scheint niemanden weiter zu beunruhigen. Wenn man außerdem bedenkt, dass eine hohe Zahl von Vögeln an Stromleitungen verendet, durch den Auto- und Zugverkehr getötet wird , auf hoher See in den Stellnetzen der Fischer ertrinkt oder von Hauskatzen und verwilderten Katzen getötet wird, muss die Frage erlaubt sein, warum ausgerechnet der Tod von Vögeln an Windrädern derartig intensiv diskutiert wird.
Der BUND setzt sich dafür ein, neben dem für das Klima wichtigen Ausbau der Windkraft, andere Gefahrenquellen für Vögel (BUND-Kampagne „Vogelschlag an Glas“) zu minimieren und ihre Lebensräume zu verbessern.

Zukünftig Kameras und Radar im Einsatz

Für Großvögel wie Rotmilan (Rote Liste Vorwarnstufe) und Seeadler (Rote Liste NRW: durch extreme Seltenheit (potentiell) gefährdet) bieten mit einem Radarsystem gekoppelte Kameras eine Möglichkeit, Kollisionen mit Rotorblättern zu vermeiden. Die Systeme sind mit einer KI ausgestattet, die diese Vögel im Anflug identifiziert, die Umdrehungen des Windrads abbremst und das Windrad anhält. Zurzeit befinden sie sich noch in einem Zertifizierungsverfahren. Wird dieses positiv beschieden, soll ein Kamera-System bei einem neuen Windrad in der Nähe der Bislicher Insel zum Schutz der Seeadler zum Einsatz kommen. Andersfalls wird für dieses Windrad nur der Nachtbetrieb genehmigt. Innerhalb von Vogelschutzgebieten sollte trotzdem der Bau von Windkraftanlagen konsequent untersagt werden.

Immer noch angesagt: Energie sparen

Energie ist nicht umsonst, die Physik kennt den Lehrsatz, wonach es kein Perpetuum mobile[1] gibt. Deshalb: „Energie sparen“ ist immer noch ein modernes Konzept. Je weniger Energie wir verbrauchen, desto weniger Windräder müssen gebaut werden.

Umweltfreundliches Elektroauto?

Abgesehen von den Batterien, deren Herstellung die Umwelt erheblich belastet, zeigen die Überlegungen, dass ein Elektroauto – für das auch Windenergie genutzt werden soll – längst  nicht so umweltfreundlich ist, wie immer erzählt wird. Erinnern wir uns an die Euphorie, die einst der „Biosprit“ auslöste. Fahrrad und ÖPNV bleiben die bessere Alternative.

Links zum Thema:

Alles zum Thema Windenergie vom BUND Landesverband NRW

Der Regionalverband Südlicher Oberrhein des BUND informiert über die Problematik von Windenergie mit Vögeln, bzw. Fledermäusen

Zur Initiative "Vogelschlag an Glas" des BUND NRW

 

 

 


[1] Als Perpetuum mobile werden (nicht real existierende) Geräte bezeichnet, die – einmal in Gang gesetzt – ohne weitere Energiezufuhr ewig in Bewegung bleiben.

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