BUND-Kreisgruppe Wesel

Mitmach-Aktion Naturfotos aus dem Kreis Wesel - Störche

01. Juni 2020 | Naturschutz, Artenschutz

Die Menschen am Niederrhein freuen sich über die Rückkehr der Störche. Im doppelten Sinn: nach mehr als 50 Jahren brütete 1996 im Kreis Kleve wieder das erste Storchenpaar und im Frühling kündigen die Rückkehrer aus den Winterquartieren den Frühling an. Mehr dazu....

Storchenpaar auf ihrem Nest in Hünxe-Bruckhausen  (© Angelika Hövelmann)

Weißstörche am Niederrhein

Der Weißstorch gehörte bis Anfang der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts zur Vogelwelt am Niederrhein einfach dazu. Der Schwerpunkt der niederrheinischen Storchenpopulation lag damals in der Düffel. Die Intensivierung der Landwirtschaft mit zahlreichen Entwässerungsmaßnahmen und der Umwandlung von Wiesen in Felder verursachte unter anderem einen Rückgang der Storchenpopulation. Ein weiterer Grund wird in Stromschlägen durch Überland-Stromleitungen gesehen. Anfang der 1940er Jahre wurde bei Kranenburg die letzte Storchenbrut erfolgreich großgezogen.
Es musste viel getan werden, um dem Weißstorch wieder eine Heimat am Niederrhein zu geben: Geeignete Lebensräume wurden gesichert und verbessert. Dazu gehörte die Wiedervernässung von Feuchtwiesen , die Umwandlung von Äckern in Grünland, die Verbesserung der Auenbereiche bis hin zur Errichtung von Nisthilfen. Die Mühe lohnte: Nach rund 50 Jahren brütete 1996 das erste Storchenpaar, genannt Jan und Marie Euwer („Euwer“ ist plattdeutsch, und bedeutet „Storch“) wieder im Dorf Zyfflich in der Düffel. Im Kreis Wesel brütete im Jahr 2002 zum ersten Mal seit 80 Jahren wieder erfolgreich ein Storchenpaar auf der Bislicher Insel, nachdem es im Jahr zuvor bereits einen Brutversuch gab, der aber ohne Erfolg geblieben war.

Obwohl sich die Storchenpopulation insbesondere in Westdeutschland erholt, wird der Weißstorch nach wie vor in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands in der Kategorie 3, d.h. als gefährdet geführt.

Störche sind keine Kostverächter

Der Weißstorch braucht Teiche, Weiher, feuchte Wiesen und extensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen um genug Nahrung zu finden. So ernähren sich Störche von Mäusen, Maulwürfen, Regenwürmern, Fröschen, Eidechsen, Insekten (Käfer Libellen, Heuschrecken), Fischen aber auch von Aas. Da der Schnabel des Storchs nicht zum Zerkleinern der Beute geeignet ist, werden erbeutete Tiere (bis ca. 1 Kilogramm) im Ganzen verschlungen. Ein Altvogel kommt mit 500 Gramm am Tag aus, bei kleinstteiliger Nahrung (Insekten, Würmer), die bevorzugt an die Jungstörche verfüttert wird, wird wesentlich mehr benötigt – bis zu 1200 Gramm am Tag.


Zugverhalten

Im Spätsommer machen sich die Störche auf den Weg in den Süden. Störche aus dem westlichen Teil Deutschlands überwintern in Gebieten direkt südlich der Sahara, viele fliegen nur noch bis Spanien, wo sie genug Nahrung – häufig auf Müllkippen – finden. Immer wieder sieht man Störche auch im Winter am Niederrhein. Es könnte sich zunächst um ausgewilderte Tiere handeln, die vielleicht wegen einer Verletzung oder Storchenfütterung an Menschen gewöhnt waren. Zuletzt wurden aber auch echte Überwinterer beobachtet. Zudem kommen viele Störche immer früher aus dem Winterquartier zurück – bereits Anfang März sind die ersten Rückkehrer wieder im Lande. Der Klimawandel ist nur bedingt für das veränderte Zugverhalten verantwortlich zu machen; der Hauptgrund für die Störche ist, dass sie ausreichend Futter finden. Erst in zweiter Instanz kommt der Klimawandel hinzu, der uns in den letzten Jahren milde Winter ohne Schnee bescherte und damit für die Störche genug zu fressen.

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