BUND-Kreisgruppe Wesel

Mitmach-Aktion Naturfotos aus dem Kreis Wesel - Naturschutzgebiete

11. Juni 2020

In Naturschutzgebieten suchen viele Menschen gerade jetzt Ruhe, Erholung und Ablenkung und finden dabei neue und inspiriende Eindrücke. Was unsere Fotografen entdeckt haben: Mehr dazu....

Kopfweiden in der Dingdener Heide - um die typische Kopfform auszubilden, müssen in Abständen von einigen Jahren alle Zweige geschnitten werden (sog. Kopfschnitt). Die Ruten wurden zum Körbe flechten genutzt, aber auch zusammen mit Lehm zum Hausbau.  (© Hartmut Kotschote)

Warum gibt es Naturschutzgebiete?

In unserer modernen, von Technik und industrieller Landwirtschaft geprägten Welt werden Tiere und Pflanzen, eigentlich ihre ganzen Lebensräume immer weiter zurückgedrängt. Deshalb gibt es Naturschutzgebiete (NSG). Selten gewordene und teils sogar vom Aussterben bedrohte Tiere wie Fledermäuse, Wildkatzen, Amphibien und Insekten sollen dort ebenso ungestört leben können wie verschiedene Pflanzenarten. Menschen dürfen - außer in bestimmten Ausnahmefällen und in Abstimmung mit den für das NSG zuständigen Behörden - nichts verändern. NSGe werden unterschiedlich bezeichnet: Nationalpark, Biosphärenreservat oder Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) bzw. einfach Naturschutzgebiet. FFH-Gebiete gehen auf eine Initiative der Europäischen Union zurück und sollen ein europäisches Netzwerk aus besonders schützenwerten Lebensräumen für Tiere und Pflanzen bilden: das europäische Naturschutz-Netz "Natura 2000" . Denn Tiere wandern auch über Grenzen hinweg, und Pflanzen samen sich - wenn auch deutlich langsamer - über Grenzen hinweg aus.

In Naturschutzgebieten herrschen strenge Regeln.

In NSGen hat die Natur Vorrang vor den Wünschen und Bedürfnissen des Menschen. In unserer heutigen Zeit, wo Menschen über mehr Freizeit verfügen und mobiler unterwegs sind als es Menschen früher waren, hat die Zahl der Besucher in den NSGen zugenommen. Deshalb müssen Besucher sich an Regeln halten, um den Schutz von Tieren und Pflanzen nicht zu gefährden. So gilt es in NSGen auf den Wegen zu bleiben, Hunde anzuleinen, keinen Müll zu hinterlassen und keine Pflanzen bzw. Pflanzenteile (auch Früchte, Blumen oder Pilze) oder Tiere der Natur zu entnehmen.

Warum auf den Wegen bleiben?

Wenn Wege verlassen werden, wird die Vegetation geschädigt. Ein Fußtritt lässt Pflanzen durchaus weiterwachsen, aber wenn viele Menschen immer wieder über dieselbe Stelle laufen, geben die Pflanzen auf. Auch Insekten, deren Puppen an Pflanzenteilen still auf ihre Metamorphose harren, können getroffen werden, im schlimmsten Fall tritt man auf das Gelege eines am Boden brütenden Vogels.

Warum Hunde anleinen?

Hundebesitzer können oft nicht verstehen, dass ihre Hunde im NSG anzuleinen sind. Dafür gibt es mehrere Gründe. Kot und Urin der Hunde ändern den Nitratgehalt des Bodens mit Auswirkungen auf die dort wachsenden Pflanzenarten. Besonders schlimm, wenn ohnehin seltene Sorten dann kaum oder gar nicht mehr wachsen. Bei angeleinten Hunden bleibt der Schaden auf die Wege begrenzt. Unter den zu schützenden Vögeln sind viele Bodenbrüter, zum Beispiel der selten gewordene Kiebitz. Entweder entschließt sich der Vogel in einem von freilaufenden Hunden frequentierten Gebiet erst gar nicht zur Brut oder ihre Nester können durch die Hunde zerstört werden. Viele Hunderassen gehen - wenn sie frei rumlaufen dürfen - ihrem Jagdtrieb nach, und die Hasen haben das Nachsehen. Eine weitere Störung, bzw. Zerstörung des Pflanzenbewuchses passiert, wenn Hunde graben.

Hundebesitzer, die ihre Tiere frei laufen lassen möchten, können dies in den weniger geschützten Landschaftsschutzgebieten tun, aber auch hier soll der Hund auf den Wegen bleiben.

Und Müll wegwerfen, geht gar nicht.

Nicht in Naturschutzgebieten und auch nicht in der Stadt, am Straßenrand und auf Parkplätzen. Bis ein Papiertaschentuch verrottet, vergehen drei bis sechs Monate, Papiertüten brauchen einige Wochen, Zigarettenstummel und Kaugummi schon 1-5 Jahre, Plastiktüten bis zu zwanzig Jahren (und vorher zerbröseln sie zu Mikroplastik), PET-Flaschen sind nahezu unverrottbar, man schätzt 450 Jahre, derselbe Zeitraum gilt auch für Wegwerfwindeln.
Also: Abfall immer mit nach Hause nehmen und Verpackungen, Lebensmittelreste und Restmüll nach dem Prinzip der Mülltrennung entsorgen. So tut Ihr nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern auch den nachfolgenden Generationen.

Naturschutzgebiete im Kreis Wesel

Ca. 15,5% des Kreisgebietes (rund 16.160 ha) des Kreises Wesel sind Naturschutzgebiet (NSG).

Dies sind Gebiete, die als spezielle Biotope oder Landschaftsformen eine besondere Bedeutung für wildlebende Tier- und Pflanzenarten haben. NSGe können darüberhinaus aus wissenschaftlichen, natur- oder erdgeschichtlichen und landeskundlichen Gründen eingerichtet werden.

In Naturschutzgebieten kann zwar eine naturverträgliche Nutzung erlaubt werden, zum Beispiel durch eine artgerechte Beweidung. Ansonsten soll die Natur weder gestört noch in sonstiger Weise beeinträchtigt werden.
Um die NSGe kümmert sich die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Wesel (Verwaltungsebene), die Biologische Station, ggf. die Forstämter, Naturschutzverbände u.a. Der Naturschutzbeirat, in den auch der BUND zwei Mitglieder entsendet, tagt vier Mal jährlich und hat für die Untere Naturschutzbehörde beratende Funktion. Zusätzlich ernennt der Kreis Wesel ehrenamtlich tätige Naturschutzwarte, die ihn bei der Überwachung der Naturschutzgebiete unterstützen und Eingriffe, bzw. Störungen protokollieren und melden. Darüber hinaus setzt der Kreis Wesel an besonders stark besuchten Tagen in stark besuchten NSGen sog. "Ranger" ein. Bitte folgt den Anweisungen der Ranger, denn uns sollte allen daran gelegen sein, unsere Natur für nachfolgende Generationen zu erhalten.

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