Pfaffenhütchen (Früchte) und Hainschwebfliege
Ein Pfaffenhütchen für Schwebfliegen
Nach den (Wild)Bienen sind Schwebfliegen (Syrphidae) die zweitwichtigsten Bestäuber. Viele fliegen Blüten häufiger an als Bienen und können Pollen über lange Strecken zur nächsten Blüte transportieren. Nicht nur die ausgewachsenen Tiere leisten so einen wichtigen Beitrag zum Wachsen und Fortbestehen in der Natur und damit auch zur Lebensmittelproduktion. Viele ihrer Larven machen sich ebenfalls nützlich, indem sie Schädlinge im Gartenbau und in der Landwirtschaft dezimieren: Larven der Hainschwebfliege oder der Gemeinen Feldschwebfliege und vieler anderer Schwebfliegenarten vertilgen Blattläuse. Damit sie genug Futter finden, legen Schwebfliegen-Weibchen ihre Eier gezielt an Pflanzen mit stärkerem Blattlausbefall. Obwohl Blattläuse den größten Anteil an der Nahrung der Larven ausmachen, saugen sie auch in geringerem Maße kleinere Schmetterlingsraupen (z.B. Kohlweißling) sowie Thripsen und Milben aus.
Schwebfliegen stärken die Kampftruppen gegen Blattläuse
In Deutschland leben 463 unterschiedliche Schwebfliegen-Arten, von denen 1/3 in ihrem Bestand gefährdet sind.
Wer Kampftruppen gegen Blattläuse in den Garten locken möchte, muss erwachsenen Schwebfliegen etwas anbieten. Gartenbesitzern und Gartenbesitzerinnen, die überlegen, welchen Strauch sie auf eine freigewordene Stelle pflanzen wollen, möchten wir das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) vorstellen. Seine – zugegebenermaßen unscheinbaren – kleinen Blüten produzieren reichlich leicht zugänglichen Nektar, weshalb sie gern von Schwebfliegen besucht werden. Wie alle Fliegen haben Schwebfliegen zum Nektarschlecken zwei „Saugschwämmchen“ an der Unterlippe, womit sie tiefer gelegenen Nektar in Blüten, wie z.B. in trichter- oder lippenförmigen Blüten nicht erreichen können.
Prachtvolle orange-rote Früchte
So unscheinbar die Blüten des Pfaffenhütchens sind, so prachtvoll sind seine rot-orangen Früchte im Herbst. Sie erinnern mit ihren vier Kammern an die Form einer Bischofskappe und daher stammt auch der Name des Strauches. Die orangenen Samen sind für uns und andere Säugetiere giftig, werden allerdings von Vögeln (Rotkehlchen, Drosseln, Amseln) gefressen. Sie profitieren vom Fruchtfleisch, scheiden die Samenkörner unverdaut aus und tragen so zur Verbreitung des Strauches bei.
Mit etwas Glück können sogar Igel profitieren
Die anspruchslosen Pfaffenhütchen brauchen einen sonnigen bis halbschattigen Standort in nährstoffreichem Boden. Als Flachwurzler stabilisieren sie Böden, sollten dafür aber in länger anhaltenden Trockenzeiten mal gewässert werden. Auf dem Pfaffenhütchen tummeln sich im späten Frühjahr gern Gespinstmotten, die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella). Ihre gelbgrünen Raupen mit dunklen Punkten ziehen ein dichtes Gespinst über einzelne Zweige des Strauchs, fressen die Blätter kahl und benagen die Rinde der Zweige. Für die Sträucher kein Drama, denn sie treiben im Sommer erneut aus – und wenn eine Raupe auf den Boden fällt, freut sich der Igel.