Dürresommer: Gießkanne oder Pfahlwurzel? - Ein Rückblick

13. September 2026 | Klimawandel, Stadtnatur

Der Rekordsommer 2026 war für viele Pflanzen ein Härtetest. Während in so manchen Gärten der Rasen kapitulierte, zeigten uns Natternkopf, Wegwarte & Co. am Straßenrand, wie Klimaresilienz geht.

Der Gewöhnliche Natternkopf trotzt der Trockenheit Der Gewöhnliche Natternkopf trotzt der Trockenheit  (© Angelika Eckel)

Heute, der 13. September - ein Regentag. Für Bäume und Pflanzen nach dem letzten Dürresommer eine Wohltat, und der braun gebrannte Rasen kann aufatmen! 


Gießkanne oder Pfahlwurzel? 

Der Rekordsommer 2026 – der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – brachte im regionalen Durchschnitt 21 Hitzetage mit Temperaturen über 30 °C. Dazu kam die extreme Trockenheit. Der Juli 2026 war der trockenste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in NRW, und die Folgen vielerorts unübersehbar.
Verstärkt wurde die Dürre durch die steigende Verdunstung bei anhaltend hohen Temperaturen und reichlich Sonnenschein.

Menschen und Tiere können schattige Plätze aufzusuchen oder sich in kühlere Räumlichkeiten zurückziehen – Pflanzen nicht. Aus ihrer Sicht war dieser Hitze- und Dürresommer ein erbarmungsloser Überlebenskampf. In den Gärten kapitulierte der im Frühjahr noch sattgrüne Rasen. Braun, struppig und kurz gemäht – so er nicht gewässert wurde – wartete er auf Regen und kühlere Tage. Noch schlimmer erging es den Hortensien. Ohne ausgiebige, tägliche Wasserration fleißiger Gärtner*innen hingen ihre Blätter schlaff herab, und die prachtvollen Blütenbälle der fragile Diven fielen der Trockenheit zum Opfer.

Warum uns ein bißchen mehr Wildnis im Garten mehr Freizeit schenkt

Doch wer den Blick vom gepflegten Garten zum staubigen Straßenrand lenkte, konnte dort die Helden dieses Extremsommers entdecken. Wo die Luft über dem Asphalt flimmerte und niemand mit einer Gießkanne vorbeikam, trotzten sie der Hitze. Die Wegwarte streckte ihre himmelblauen Blütensterne stolz in den heißen Wind, als gäbe es keinen Wassermangel, und die in intensivem Blau-Violett leuchtenden Blüten des Gewöhnlichen Natternkopfs wurden von durstigen Wildbienen umschwärmt. Wie schafften das diese Wildblumen? Ihr Geheimnis: Mächtige Pfahlwurzeln. Während die Wurzeln des Rasens nur an der vertrockneten Oberfläche kratzen, bohren sich Wegwarte und Natternkopf metertief in den Boden. Sie dringen in Schichten vor, die von der Hitze unberührt bleiben, und zapfen dort die allerletzten Wasserreserven an.

Wird der nächste Sommer wieder so heiß und trocken wie der letzte? Wir wissen es nicht. Aber weitere heiße und trockene Sommer werden kommen. Wenn ihr euren Garten für den Klimawandel wappnen wollen, nehmt euch ein Beispiel an den Kämpfern vom Straßenrand. Setzt auf robuste Wildblumen mit tiefen Pfahlwurzeln. Sie schenken uns nicht nur Farbe in der Dürre und haben Nektar und Pollen für Wildbienen und andere Insekten im Angebot, sondern sie überstehen die Hitze ganz ohne menschliche Hilfe. Und ein Garten, der ohne „Pflanzensitter“ überlebt, bedeutet mehr Freizeit für uns!

  

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