Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND-Kreisgruppe Wesel

Ein guter Herdenschutz schützt auch den Wolf

Ein guter Herdenschutz schützt auch den Wolf

Schäfer Maik Dünow mit seinen treuen Helfern auf einer Weide (Schwarze Heide) mitten im Wolfsgebiet Schäfer Maik Dünow mit seinen treuen Helfern auf einer Weide (Schwarze Heide) mitten im Wolfsgebiet  (Klaus Eckel)

Mit einer Schafherde im Wolfsgebiet

Schäfer Maik Dünow lässt im Winter seine Schafe auf einer landwirtschaftlichen Fläche in der Schwarzen Heide bei Hünxe weiden - dort, wo die Wölfin GW954f, auch unter dem Namen »Gloria« bekannt, ihr Revier hat. Und das will er auch in diesem Jahr so machen, - schließlich soll die Weidetierhaltung, die einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege leistet, nicht wegen Wölfen aufgegeben werden. 350 Muttertiere und 180 Lämmer, alles Schwarzkopfschafe, stehen hinter einem 90 cm hohen Elektrozaun und werden von zwei Herdenschutzhunden bewacht, die Dünow von einem befreundeten Schäfer aus Brandenburg leihen konnte. Damit glaubt er, seine Schafe gut gegen Angriffe der Wölfin gesichert zu haben.

Große Verluste in nur einer Nacht

Als Maik Dünow am Morgen des 09. Dezember nach seinen Schafen sieht, sind 6 Schafe tot, weitere so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten. Insgesamt 26 seiner Tiere kamen in der vorangegangenen Nacht zu Tode. Vier Nächte später schlägt die Wölfin erneut zu. Diesmal wurde ein Schaf getötet, 12 weitere verletzt.

Obwohl ein Elektrozaun von 90 cm Höhe für die staatlichen Fördermaßnahmen zum Wolfsschutz ausreichen, sind sich Fachleute einig, dass es Wölfen durchaus gelingt Zäune dieser Höhe zu überspringen. Warum es den beiden Schutzhunden nicht gelang, die Wölfin in Schach zu halten, kann nur vermutet werden. Zum einen benötigen die Hunde ein paar Tage um eine enge Bindung zur Schafherde aufzubauen und ihr Revier kennen zu lernen. Zum anderen kennen die Hunde aus Brandenburg Angriffe von Wolfsrudeln. Greift ein Rudel an, so wird ein einzelner Wolf zur Ablenkung an eine Stelle des Weidezauns geschickt, während das restliche Rudel sich von hinten anschleicht und versucht an anderer Stelle den Zaun zu überwinden und Schafe zu reißen. So kann es gut sein, dass die Hunde den Angriff der einzelnen Wölfin falsch eingeschätzt haben.
Seither schützen vier Hunde die Herde, und obwohl die Wölfin des Nachts erneut um die Schafherde herumschlich, wie der Schäfer auf Aufnahmen seiner installierten Wildtierkamera sehen kann, hat es seither keinen Übergriff mehr gegeben.

5000 Euro für einen Herdenschutzhund, zusätzlich 2500 Euro Unterhalt pro Jahr

Für 100 Schafe rechnet man mit einem Herdenschutzhund (andere Stellen geben zwei Schutzhunde für bis zu 500 Schafen, vier Schutzhunde für bis zu 1000 Schafen an) . Bei 1000 Schafen braucht Maik Dünow also ca. 10 Herdenschutzhunde - kein kleiner Betrag, den er nun investieren muss. Und die Kosten für den Unterhalt schlagen mit 2500 Euro pro Jahr auch heftig zu Buche.

Einsatz von Herdenschutzhunden - Diese Probleme sind noch zu lösen:

  • Ausgebildete Herdenschutzhunde sind schwer zu bekommen, es gibt schlichtweg zu wenig von ihnen. Außerdem ist nicht jeder Hund einer Herdenschutzhundrasse, i. d. Regel sind das bei uns Pyrenäenberghunde, als Herdenschutzhund geeignet ist.
  • Die Tierschutz-Hundeverordnung sieht vor, dass Hunde nicht hinter einem schützenden Elektrozaun gehalten werden dürfen; außerdem ist das Aufstellen einer Schutzhütte Pflicht. Der Pyrenäenberghund hat jedoch ein so dichtes Fell, dass er selbst bei kalten Temperaturen keine Schutzhütte braucht. Um den Einsatz von Herdenschutzhunden für die Schäfer rechtssicher zu machen ist eine Überarbeitung der Verordnung dringend geboten.
  • Erstattung der Kosten: Die De-minimis-Regelung besagt, dass für 3 Jahre maximal 15.000 Euro an Beihilfe ohne weitere Genehmigungspflicht durch die EU an Schäfer ausgezahlt werden kann. Ein Betrag, der für die (Berufs-)Schäfer in einer Wolfsregion hinten und vorne nicht ausreicht, wird er zu einem großen Teil schon von der Dieselrückvergütung ausgeschöpft. 

Dazu aktuell: EU-Kommission gibt grünes Licht für 100% Erstattung von Schäden, die durch den Wolf verursacht werden, sowie für die Erstattung von Schutzmaßnahmen 

Wir begrüßen, dass die EU zukünftig Wolfsschäden zu 100% als erstattungsfähig anerkennt (bisher 80%), sowie Schutzmaßnahmen, explizit auch Herdenschutzhunde, als förderungswürdig anerkennt. Dies ist schnellstens in Landesrecht umzusetzen!
Siehe hierzu: Bericht in der FAZ

Arbeitskreis Herdenschutz: Schutzmaßnahmen für Halter kleiner Herden entwickeln

Für Halter von Herden mit geringer Stückzahl ist die Arbeit mit Herdenschutzhunden zu teuer und zu aufwändig. Wölfe haben mittlerweile gelernt, gängige Elektrozäune zu überspringen. Deshalb muss dringend an einer Weiterentwicklung der Zaunsysteme gearbeitet werden.
Wölfe haben Schwierigkeiten, Sprünge über dreidimensionale Gebilde korrekt einzuschätzen. Erfolgversprechend sind deshalb Zaunsysteme, die mit zusätzlichen Litzen versehen werden, und so im Zaun eine dritte Dimension aufbauen. Diese Zaunsysteme könnten auch als Nachtpferche zur Anwendung kommen.
Eine weitere Alternative sind Schallhalsbänder, die den Schafen umgelegt werden (etwa jedes 10. Tier einer Herde). Greift ein Wolf an, beginnen die Schafe zu rennen, ein Sensor erkennt die Bewegung und setzt einen Ultraschallsender in Gang, der in einer Frequenz sendet, die für Wölfe schmerzhaft ist. Entsprechende Versuche laufen bereits in Kanada und Südafrika.
Am 2. Januar dieses Jahres haben sich Schafhalter, Politiker, Wissenschaftler und Mitglieder von Naturschutzverbänden in der Biologischen Station Wesel getroffen und  einen Arbeitskreis "Herdenschutz" ins Leben gerufen, dessen Ziel es sein soll, diese Entwicklungen in Gang zu setzen.
Kontakt: bund-info(at)bund-wesel.de,

 



 

  

 

 

Info: Herdenschutzhunde

Pyrenäenberghunde sind wachsame Herdenschutzhunde Pyrenäenberghunde sind wachsame Herdenschutzhunde  (Klaus Eckel)

Herdenschutzhunde werden seit Jahrtausenden eingesetzt, um Nutztiere vor Raubtieren und Diebstahl zu schützen. Diese Tradition ist jedoch mit Ausrottung der großen Beutegreifer in Deutschland vor weit mehr als 100 Jahren verloren gegangen.
Mit der Rückkehr der Wölfe gewinnen sie wieder an Bedeutung.
Im Wesentlichen werden zwei Rassen eingesetzt: Maremmano Abbruzzese und Pyrenäenberghunde. Beides große, hell gefärbte Tiere, die aus der Ferne unter den Schafen schwer auszumachen sind. Also nicht irritierten lassen, wenn zukünftig am Niederrhein ein Schaf zu Bellen beginnt!

Die Zucht von Herdenschutzhunden als Arbeitstiere unterliegt strengen Regeln, und ihre Ausbildung – die nicht jeder Hund schafft - dauert ca. zwei Jahre. Danach können sie eigenständig(!) eine Herde bewachen und effektiv vor Wölfen schützen. Während ihrer Ausbildung lernen Herdenschutzhunde, Menschen auf Wegen, die an den Weiden vorbeiführen, zu tolerieren. Trotzdem sollten Fußgänger / Radfahrer sich angepasst verhalten und zügig ihren Weg fortsetzen. Andere Verhaltensweisen - wie zum Weidezaun oder abseits der Wege laufen - beunruhigt die Tiere, und sie beginnen ihr Territorium zu verteidigen. Schäfer weisen mit entsprechender Beschilderung auf den Einsatz von Herdenschutzhunden hin.
 

BUND-Bestellkorb