(Foto: R. Großefeste)
Das sehr kontrovers diskutierte Sanierungskonzept für den Schlosspark Moers verdeutlicht, dass Pflege und Erhalt des städtischen Grüns oft im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen liegt und deshalb besonders herausfordernd ist.
Im Schlosspark spitzt sich dies auf die Frage zu, ob man jeden Baum erhalten will, bis eine Fällung aus Verkehrssicherungspflicht unumgänglich wird oder ob man in größerem Stil und relativ radikal eingreift, um ein ganzes Bündel an Maßnahmen umsetzen zu können. Ein solcher Eingriff stellt natürlich eine „Rosskur“ dar. Wir sind nach langer und intensiver Diskussion schweren Herzens zu der Position gelangt, eine solche Rosskur zu akzeptieren. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Aber als Zünglein an der Waage galten letztlich die folgenden Punkte:
- Die vorgesehenen Ausgleichspflanzungen mit einheimischen Baumarten, die dem Klimawandel eher trotzen können als die häufig anzutreffenden exotischen Bäume bieten bessere Lebensräume für viele Tierarten. Sie bieten also eine höhere ökologische Dienstleistung.
- Ein großer Teil der in Rede stehenden Bäume hat nur noch eine absehbare Lebensdauer, müssen also über kurz oder lang gefällt werden. Würde man sie so lange wie möglich erhalten wollen, wären jedes Jahr 15 oder mehr Bäume zu fällen. Jede einzelne Fällung erfordert den Einsatz von schwerem Gerät und verursacht damit „Kollateralschäden“. Die Rosskur erfordert diesen Einsatz nur für eine relativ kurze Zeitspanne, danach kann sich der Boden wieder erholen und wird über Jahre nicht mehr belastet.
- Die Rosskur verschafft der Stadt die Möglichkeiten, Fördergelder zu akquirieren. Erst hierdurch werden ökologisch sinnvolle Ausgleichs- und Begleitmaßnahmen möglich. Zu diesen Ausgleichs- und Begleitmaßnahmen zählen
º Ausgleichspflanzung mit Staudengewächsen und Sträuchern, die für eine Vielzahl von Insekten und Vögeln eine ideale Lebensgrundlage bieten.
º Anlegen von Blühwiesen statt reinen Rasenflächen. Auch diese bieten die Chance, die Biodiversität zu erhöhen.
º Entsiegelung und Rückbau von Parkwegen, und damit Erhöhung von versickerungsfähigen Untergründen.
Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die Nachpflanzung von 100 Bäumen bei weitem nicht ausreicht, den Verlust an Baumbestand auszugleichen. Fairerweise müssen wir aber auch betonen, dass die Stadt Moers in den vergangenen zwei Jahren hunderte Bäume im gesamten Stadtgebiet angepflanzt hat.
Um den Schaden weiter zu begrenzen, fordern wir weitere Maßnahmen ein. Für den Verlust an Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse sind zwingend Nisthilfen aufzustellen. Um hier zu einer belastbaren Einschätzung zu kommen, in welcher Größenordnung dies geschehen muss, haben wir ein Artenschutzgutachten eingefordert. Dieser Forderung ist die Stadt nachgekommen. Auch fordern wir, dass ein beträchtlicher Teil der gefällten Bäume als Totholz im Park verbleibt, um weiterhin als Lebensraum zu fungieren. Da werden wir aber noch nachfassen müssen.
Zudem werden wir die weitere Entwicklung nicht nur kritisch aus der Ferne betrachten, sondern aktiv begleiten. Die Zusage, uns in den weiteren Prozess einzubeziehen, wurde gegeben.
Wir sehen in diesem Konzept eine Chance, den Schlosspark als Natur- und Erholungsraum dauerhaft und damit für zukünftige Generationen zu erhalten. In Summe bleibt es aber eine äußerst bittere Pille, die es zu schlucken gilt. Möge diese bittere Pille dem „kranken Mann Schlosspark“ wieder zu neuer Vitalität verhelfen.