Wiesen-Flockenbume (Centaurea jacea): "Tischlein deck dich für Insekten"
(Von AnRo0002 - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51839136)
Die winterharte Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) gedeiht von der Iberischen Halbinsel bis Westsibirien und bis zum Kaukasusraum sowie in Nordafrika überall dort, wo sie ein gemäßigtes Klima vorfindet. Wo Wiesen nicht gemäht wurden, leuchten ab Juni ihre hellvioletten Blüten zwischen den hohen Gräsern hervor.
Vielfältige Insektenschar: Rush Hour etwa um 15:00 Uhr
Bis einschließlich Oktober versorgt sie fleißig eine gemischte Insektenschar zuverlässig mit Nektar und Pollen: Fast 100 verschiedene Wildbienenarten, davon 40 in Deutschland heimische Arten, 69 unterschiedliche Schmetterlinge, darunter der Große und der Kleine Perlmutterfalter sowie das Schachbrett besuchen die Wiesen-Flockenflockenblume, um Nektar zu saugen und Pollen zu sammeln. Außerdem nutzen noch 17 Schwebfliegenarten und einige wenige Käfer das von der Wiesen-Flockenblume reichlich produzierte Nahrungsangebot. Mit einem Nektarwert von 3 und einem Pollenwert von 2 (jeweils auf einer Skala von 0 bis 4) kann sich die Flockenblume eben durchaus sehen lassen.
Die meisten Blütenbesucher tummeln sich übrigens um etwa 15 Uhr auf ihren Blüten.
Außer als Nektar- und Pollenlieferant für ausgewachsene Insekten (Imagos) dient sie Schmetterlingsraupen von ca. 20 Nachtfalterarten als Futterpflanze. Zu ihnen gehört z. B. die bei uns vorkommende Ampfer-Rindeneule (Acronicta rumicis) mit ihren interessanten rot-schwarz-weißen Raupen. Von den Tagfaltern sind nur die Raupen des stark gefährdeten, im Süden Deutschlands vorkommenden Flockenblumen-Scheckenfalters (Melitaea phoebe) an der Wiesen-Flockenblume interessiert.
Wiesen-Flockenblume im Garten
Die Wiesen-Flockenblume ist für die Gestaltung naturnaher Gärten bestens geeignet und insbesondere auch für Einsteiger*innen in das „naturnahe Gärtnern“ zu empfehlen. Die mehrjährige Staude wird ca. 50-70 cm hoch. Sie benötigt im Staudenbeet eine Stütze oder kräftige Pflanzen als Nachbarn. Ansonsten ist sie robust und pflegeleicht, geeignet sowohl für sonnige wie auch halbschattige Standorte. Trockenheit macht ihr weniger aus als vielen Sommerpflanzen aus dem Gartencenter. Das Zauberwort heißt „Pfahlwurzel“. Mit ihrer Hilfe erreicht die Flockenblume, selbst wenn der Oberboden schon gänzlich ausgetrocknet ist, noch Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten. Gerade wenn es so wenig regnet wie in diesem Frühjahr, braucht man also nicht ständig mit der Gießkanne neben seiner Flockenblume zu stehen. Außer im Garten auf einem Wiesenstück oder im Staudenbeet wächst sie auch in Kübeln und ist somit für Balkon und Terrasse geeignet.
Die Wiesen-Flockenblume kann sich einerseits durch Ausläufer vermehren und bildet andererseits Samen aus. Während Ausläufer Klone ihrer Mutterpflanze sind und somit dieselben Eigenschaften wie diese besitzen, werden bei der Samenbildung durch die Bestäubung von Insekten die Eigenschaften zweier Pflanzenindividuen vermischt. In Zeiten des Klimawandels kann dies überlebenswichtig sein, da sich eine Art über Generationen hinweg an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann.
Wer genug Flockenblumen im Garten hat, kann die hübschen Blütenblätter als essbare Dekoration über verschiedenste Speisen streuen, zum Beispiel über Salate oder leckeres Frischkäsebrot.
Saatgut der Wiesen-Flockenblume (Aussaat März/April), ebenso wie getopfte Pflanzen, kann man im Internet bestellen. Sie blüht nach der Aussaat im zweiten Jahr, also nicht enttäuscht sein, wenn im ersten Jahr nur die Blätter kommen.
In der NABU-Naturarena, Auf dem Mars 3, 46487 Wesel, geben Mitglieder von Naturgarten e.V. Wildpflanzen-Ableger in der Zeit von Mai bis Oktober jeden 1. Sonntag im Monat gegen eine Spende ab. Angelika Eckel von der BUND-Kreisgruppe Wesel: „Auch meine ersten Flockenblumen stammen von dort.“
Weitere Bezugsquelle: Gartenwert, Staudenkulturen Wischmann in Oberhausen-Holten.
Warum sind Wildpflanzen für Wildbienen und andere Bestäuber so attraktiv?
Eine Gewöhnliche Löcherbiene (Heriades truncorum) sammelt Pollen in ihrer Bauchbürste bei einer Blüte der Wiesen-Flockenblume. Die größeren randlichen Zungenblütenblätter werden manchmal nicht ausgebidet und fehlen hier.
(© Klaus Eckel)
Zum einen haben sich Wildblumen und Wildbienen sowie die vielen anderen Insekten in jahrtausendelanger Evolution gemeinsam entwickelt und ihre Bedürfnisse optimal aufeinander abgestimmt. Zum anderen müssen Wildpflanzen selber für ihre Vermehrung sorgen, dazu Bestäuber anlocken und sie für ihre Dienste mit reichlich Nektar belohnen: Sie müssen also reichlich Nektar produzieren. Sommerblumen aus der Gärtnerei sind auf optische Schönheit gezüchtet, sie müssen uns gefallen, da wir sie kaufen sollen. Die Nektarproduktion ist weniger wichtig, da sich der Züchter um ihre Vermehrung kümmert.