Welche Blühmischungen würden Wildbienen aussäen?

Welche Blühmischungen würden Wildbienen aussäen?

Steinhummelweibchen (Bombus lapidarius) sammelt an einer Blüte des Blauen Natternkopfs (Echium vulgare) Steinhummelweibchen (Bombus lapidarius) sammelt an einer Blüte des Blauen Natternkopfs (Echium vulgare)  (© Klaus Eckel)

Seit bekannt wurde, dass in den vergangenen knapp dreißig Jahren die Biomasse der Fluginsekten um ca. 75 Prozent abnahm, wollen viele Menschen den Insekten helfen. Und seither hat das Angebot von „bienenfreundlichen“ Saatgutmischungen und Pflanzen stark zugenommen.

Da stellt sich die Frage: Welchen Nutzen haben die im Handel erhältlichen Saatgutmischungen tatsächlich für den Erhalt der Fluginsekten, zu denen außer Wildbienen natürlich auch Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele andere Arten zählen?

Die meisten handelsüblichen Mischungen – mögen sie „Bienen-Mischung“, „Bienen- und Hummelmagnet“, oder „Mössinger Sommer“ heißen –sind in erster Linie für das Auge des Betrachters und erst in zweiter Linie auf die Bedürfnisse der bestäubenden Insekten hin zusammengestellt. Sie enthalten teils Zuchtsorten  mit gefüllten Blüten (z. B. Mohn oder Ringelblumen), die bestäubenden Insekten weder Pollen und noch Nektar bieten, als auch Pflanzen fremdländischer Herkunft. Insekten, die durch Geruch, Aussehen und Form der Blüten auf unsere heimische Flora geprägt sind, werden hiervon nicht profitieren.

Regionale Wildpflanzenmischungen

Unsere heimischen Insekten und Pflanzen haben sich seit der letzten Eiszeit regional zusammen entwickelt. Dabei sind im Laufe der Jahre sensible Lebenszyklen entstanden. Für spezialisierte Blütenbesucher unter Wildbienen, Schmetterlingen und anderer Insekten kann sich eine Verschiebung des Blühzeitpunktes ihrer Hauptnahrungsquelle von wenigen Wochen bedeutend auf die Reproduktion und damit auf den Fortbestand der Art auswirken.

Die Biodiversitätskonvention von Rio (1993), die Deutschland unterzeichnete, setzt sich zum Ziel, diese regionale Artenvielfalt zu erhalten.

Im Bundesnaturschutzgesetz wurde deshalb festgelegt, dass ab 2020 in der freien Landschaft nur noch Pflanzen und Saatgut regionaler Herkunft ausgebracht werden dürfen. Obwohl Siedlungsbereiche und landwirtschaftlich genutzte Flächen nicht unter den Begriff „freie Landschaft“ fallen, ist es aus Sicht des Naturschutzes wünschenswert, auch hier regionales Saatgut zu verwenden, denn eine Trennung zwischen freier Natur und besiedelten oder landwirtschaftlichen Flächen ist schlechthin nicht möglich.

Wildbienen würden regionale Wildblumen säen

Regionale Wildpflanzenmischungen haben nicht nur zur Blütezeit einen positiven Effekt auf die Nahrungsversorgung mehr oder weniger spezialisierter Insekten. Sie bieten das ganze Jahr über Plätze zur Eiablage, Verpuppung sowie reiches natürliches Futter für Vögel und andere Lebewesen.