Die Gemeine Wegwarte und die Wegwarten-Hosenbiene
Wegwarten-Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) sammelt Pollen an der Gemeinen Wegwarte
(© Klaus Eckel)
Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) ist eine ausdauernde Staude, die keine großen Ansprüche stellt. Sie wächst auf eher nährstoffreichen Böden an Wegrändern, auf Ruderalflächen und Ackerrainen. Mit ihrer tief reichenden Pfahlwurzel kann sie, selbst wenn der Oberboden schon ausgetrocknet ist, tiefere, noch feuchte Bodenschichten erreichen und längere Trockenzeiten gut überstehen. Meteorologen prognostizieren, dass es zukünftig häufiger längere Trockenperioden geben wird. Somit ist die Wegwarte besser für den Klimawandel gerüstet als viele Sommerblumen aus dem Gartencenter.
Wegwarten-Blüten: An sonnigen Tagen nur vormittags geöffnet
Ihre wunderschönen himmelblauen Blüten, die sich jede nur für einen einzigen Tag lang öffnet, erscheinen von Ende Juni bis in den Oktober hinein. Sie werden von Insekten bestäubt, für die sie in dieser Zeit eine wichtige Nahrungsquelle sind. Mit einem Nektar- und Pollenwert von 3-4 (auf einer Skala von 0 bis 4) nimmt die Wegwarte eine Spitzenposition unter den Sommerblumen ein. Bei sonnigem Wetter ist mittags aber Schluss – dann schließt die Wegwarte ihre Blüten. Bei bedecktem Himmel bleiben ihre Blüten länger geöffnet.
Insgesamt knapp 40 unterschiedliche Wildbienenarten, z. B. Hosenbienen, besuchen in Deutschland die Gemeine Wegwarte, um Nektar und Pollen zu sammeln, ebenso wie ca. 17 unterschiedliche Arten von Schwebfliegen. Auch Schmetterlinge, darunter der Hauhechel-Bläuling, sind häufige Gäste. Außer als Nektar- und Pollenlieferant dient sie 7 Schmetterlingsraupen als Futterpflanze. Ihre Samen werden wiederum sehr gerne von Stieglitzen oder Spatzen gefressen.
Diese Biene hat die Hosen an!
Eine Blütenbesucherin ist sogar nach der Wegwarte benannt – die Wegwarten-Hosenbiene (Dasypoda hirtipes). Die Weibchen der Wegwarten-Hosenbienen sind an ihren charakteristischen, sehr langen, bräunlichen Haarbürsten an den Hinterbeinen zu erkennen, sie tragen sozusagen „Pluderhosen“, weshalb man sie auch Braunbürstige Hosenbiene nennt. Im Niederrheinischen Tiefland steht sie auf der Vorwarnliste der Roten Liste NRW, in der Niederheinischen Bucht gilt sie als gefährdet. Da sie ihre Nester im Boden anlegt, ist die Förderung und Duldung von Ruderalflächen und unbewachsener Bodenstellen sowohl im Offenland wie im Siedlungsraum für die Erhaltung dieser Art besonders wichtig. Und natürlich spielen Bestände der Gemeinen Wegwarte als zuverlässige Pollenquelle eine besondere Rolle für den Erhalt dieser oligolektisch, d.h. nur an einer bestimmten Pflanzenfamilie, sammelnden Wildbienenart.
Die Wegwarten-Hosenbiene ist fast so groß wie eine Honigbiene, etwa zwölf bis fünfzehn Millimeter und kann von Juni bis September beobachtet werden.
Wie die Wegwarten-Hosenbiene an der Wegwarte Pollen für ihre Larven sammelt:
Die Wegwarten-Hosenbiene sammelt nur Pollen von Pflanzen aus der Familie der Korbblütler, und zwar hauptsächlich von einer Unterfamilie, den Cichorioideae (Zungenblütige Korbblüter). Zu dieser Unterfamilie gehören außer der Wegwarte zum Beispiel das Gefleckte Ferkelkraut, der Wiesen-Pippau und – Chicorée und Radicchio. Die Wegwarten-Hosenbiene streicht mit ihren Beinen immer wieder über die Staubfäden der Blüten und sammelt den Pollen in den langen Haarbürsten an den Hinterbeinen, wo er zu "Pollenhöschen" verdichtet wird. Die Haarbürsten sind so beschaffen, dass sie große Mengen Pollen aufnehmen können: Das macht die Wegwarten-Hosenbiene zu einer effizienten Pollensammlerin, die bis zu 40 mg Pollen transportieren kann. Der Pollen der Wegwarte ist übrigens weiß. Ist die Wegwarten-Hosenbiene mit weißen „Pluderhosen“ unterwegs, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie an Wegwarten-Blüten zum Pollen Sammeln war.
Mit dem gesammelten Pollen fliegt sie zu ihrem Nest, das sie in lockerer Erde im Boden anlegt hat. Ihre Niströhre ist etwa 60 Zentimeter tief – eine stolze Leistung für ein so kleines Insekt! Am Ende der Niströhre befinden sich die Brutzellen. In jede Brutzelle kommt ein mit Nektar vermischtes Pollenhäufchen und obendrauf legt die Wegwarten-Hosenbiene ein Ei. Dann wird die Brutzelle verschlossen, und eine neue Brutzelle angelegt. Wegwarten-Hosenbienen überwintern in ihren Brutzellen als sogenannte Ruhelarven. Wenn die Wegwarte im Frühsommer ihre Blüten öffnet, ist ihre Entwicklung abgeschlossen. Die Männchen schlüpfen einige Tage vor den Weibchen. Ihre einzige Aufgabe ist die Begattung von einem oder mehreren Weibchen – und da wollen sie doch keine Gelegenheit verpassen.