my home is my castle
(© Ralph / Pixabay)
Kalt ist es geworden – die beiden Igel, die noch vor Kurzem nächtlich durch das Gebüsch raschelten, sind verschwunden. In den kühlen Herbstwochen haben wir sie mit Rührei und hochwertigem Katzenfutter unterstützt, sich ausreichend Winterspeck anzufuttern. Igel, die zu den Insektenfressern gehören, finden wie auch viele andere Tiere in unseren Gärten, immer weniger zu fressen. Schuld daran, dass ihre Portionen kleiner geworden sind, ist das Insektensterben und die Aufräumwut vieler Gärtnerinnen und Gärtner – Stichwort: „Den Garten winterfest machen“. Aber auch zunehmende Bebauung und die damit einhergehende Versiegelung von Flächen reduziert die Zahl bodenlebender Insekten, Gliederfüßler und Würmer, die im Magen eines Igels landen könnten. Als Ausgleich für das schwindende Nahrungsangebot bietet sich ein kleines Zubrot an. Dabei gilt das Motto: Unterstützung ja, Vollpension nein – der Igel soll schließlich weiterhin lernen, sich selbst zu versorgen.
Und jetzt wird geschlafen, bis wieder bessere Zeiten kommen
Laubhaufen sind begehrte Winterquartiere, und vielleicht schlummern unsere Überwinterungsgäste jetzt gerade in solch einem geschützt unter einer Hecke. Wusstet ihr, wie geschickt Igel ihre Nester bauen? Nachdem sie in den Laubhaufen gekrochen sind, pressen sie durch geschickte Drehbewegungen die Blätter so eng zusammen, dass ein isolierendes Polster entsteht, das vor Frost und Nässe schützt. Trockene, kalte Winter mögen sie übrigens viel lieber als nasskalte Schmuddeltage!
Wie funktioniert Winterschlaf?
Der Winterschlaf von Igeln wird durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgelöst. Kürzere Tage, sinkende Temperaturen, Nahrungsmangel und das Erreichen eines ausreichenden Gewichts bewirken eine hormonelle Umstellung. Diese Umstellung veranlasst Igel, sich ein passendes Winterquartier zu suchen und ihren Stoffwechsel drastisch zu reduzieren, um Energie zu sparen. Als erstes beginnen die Igel-Männchen mit dem Winterschlaf, danach die Igel-Weibchen, die nach der anstrengenden Aufzucht der Jungigel noch etwas länger brauchen, sich genügend Gewicht anzufuttern. Als letzte suchen sich die diesjährigen Jungigel einen Winterschlafplatz – wozu sie mindestens 600 Gramm auf die Waage bringen sollten.
Um Energie zu sparen reduzieren Igel im Winterschlaf ihre Körperfunktionen auf ein Minimum:
∗ Die Herztätigkeit liegt bei ca. 8 Schlägen pro Minute (sonst 180 Schl.p.M.),
∗ Der Atem lediglich bei 3-4 mal pro Minute (sonst 40-50 mal pro M.).
∗ Die Körpertemperatur sinkt von 36 Grad auf fast Außentemperatur, aber nie unter 1 Grad Celsius.
Zwischendurch wird das "System Igel" von Zeit zu Zeit hochgefahren
Entgegen alter Mythen schlafen Igel nicht am Stück durch. Etwa alle zehn Tage fährt das „System Igel“ langsam für kurze Zeit hoch, regeneriert die Organe und stärkt die Abwehrkräfte. Das kostet wertvolle Fettreserven, ist aber ein natürlicher Prozess. Gefährlich wird es erst, wenn der Igel durch äußere Störungen (wie Gartenarbeit) abrupt aufwacht – dieser Stress verbraucht massiv Energie, die am Ende des Winters fehlen könnte.Zusätzlich wird der Organismus des Igels durch die beschleunigte Aufwachphase und die Ausschüttung stressbedingter Hormone belastet.
Der Winterschlaf eines Igels dauert vier bis sechs Monate. Wacht er im Frühjahr auf, hat er 20 bis 40% seines Körpergewichts verloren und richtig Hunger.
Soviel sollten Igel in etwa wiegen, um gut durch den Winter zu kommen:
Wieviel ein Igel vor dem Winterschlaf wiegen sollte, hängt auch von seinem Alter ab.
Jungigel: Früher sagte man, dass ein Jungigel mindestens 500 Gramm wiegen soll, damit er seinen ersten Winterschlaf gut übersteht. Doch heute sehen wir, dass das knapp werden kann, um die durch den Klimawandel überwiegend milden und kräftezehrenden Winter zu überleben.
Ein einjähriger Igel, der bereits vor seinem zweiten Winterschalf steht, sollte ca. 800 g wiegen. Alttiere ab dem 2. Lebensjahr je nach Größe und Geschlecht mindestens 900 bis 1000 g.
Faustregel: Igel, die Mitte November noch mit deutlich unter 600 Gramm unterwegs sind, brauchen auf jeden Fall Hilfe. Ein besonderes Augenmerk sollten wir auf Jungigel haben und ggf. rechtzeitig zufüttern: Mitte September sollte ein Jungigel ca. 450 Gramm wiegen, Mitte Oktober 500 Gramm und Mitte November 600 Gramm.
Besonders spät geborene „Septemberigelchen“ schaffen das oft nicht allein und brauchen unsere Hilfe.
Untergewichtige Igel
Untergewichtige Igel kann man im September draußen zufüttern, damit sie ein ordentliches Winterschlafgewicht erreichen, und natürlich auch in den folgenden Wochen diejenigen, die ihr Winterschlafgewicht fast erreicht haben.
Wichtig: Ab Temperaturen unter 6 Grad Celsius verbrennen Igel ihre Nahrung nur noch zur Wärmeregulierung und nehmen kaum noch zu
Deshalb gehören alle Igel, die nach Mitte Oktober oder später mit +/- 400 Gramm Gewicht herumlaufen ins Warme und müssen dort aufgefüttert werden. In solchen Fällen bitte eine Igelstation kontaktieren, wo so ein Fall individuell eingeordnet werden kann.
Bis zur Kontaktaufnahem den untergewichtigen Igel sichern. Dazu den Igel in einen stabilen, ca. 50 cm hohen Pappkarton setzen. Ein Schälchen mit Wasser hineinstellen, einen kleinen Pappkarton mit herausgeschnittenem Türchen als Unterschlupf, dazu zerknülltes Papier oder ein Tuch zum Kuscheln. Als Futter abends ungewürztes Rührei und Katzenfutter mit hohem Fleischanzteil geben.
Oft können aufgefütterte Igel, wenn das Wetter es zulässt (kein Sturm, Dauerregen oder Frost), noch zum selbständigen Winterschlaf bis Ende November in einen geeigneten Garten entlassen werden, wenn trockene Unterschlüpfe vorbereitet wurden und für ein paar Nächte noch Futter bereitgestellt wird, damit die Tiere das neue Umfeld besser annehmen. Kann ein Igel bis Ende November nicht in Freiheit entlassen werden, sollte er in menschlicher Obhut an einem kühlen, trockenen Ort überwintern.