Alles begann mit "Igelchen"
Igelchen unterwegs im naturnahen Garten auf Futtersuche
(© A. Eckel)
Angelika Eckel von der BUND-Kreisgruppe: "Alles begann im Sommer 2022, als ich beim Auszupfen von Beikräutern (muss manchmal sein, damit anderes wachsen kann) am späten Nachmittag unter einem Busch ein Rascheln hörte: Ein kleiner Igel wuselte dort herum. Gleich rief ich meinen Mann dazu, um ein Foto zu machen. Aber das Igelchen (so wurde es später auch genannt) verkroch sich unter dem Busch und war von der Aussicht auf ein Foto-Shooting sichtlich nicht angetan. Als Wiedergutmachung fischte ich ihm einige Regenwürmer aus unserem Komposthaufen, die es mit sichtlichem Appetit verschmatzte. Erst später, als wir uns am Bildschirm die Fotos anschauten, konnten wir erkennen, dass Igelchen ein verletztes Auge hatte. Ich hielt die nächsten Tage oft nach ihm Ausschau, sah es aber nicht mehr. Erst im September, als ich spät abends im Dunkeln mit Taschenlampe Küchenabfälle zum Kompost gebracht habe, hörte ich es unter einer Zypresse rascheln. Taschenlampen-Spot an – und wer saß da und guckte mich mit großen Augen an? Igelchen! Am nächsten Tag besorgte ich eine Tüte Igelfutter im Futterhaus. Das würde ich heute nicht mehr machen, denn Igel-Trockenfutter enthält zu viele pflanzliche Anteile, die ein Igel nicht verdauen kann – man lernt ja dazu. Besser sind ungewürztes Rührei oder Katzenfutter mit sehr hohem Fleischanteil. Ich stellte also ein Schälchen mit dem Trockenfutter an die Stelle, wo ich Igelchen am Abend zuvor gesehen hatte und am nächsten Morgen war das Schälchen leer. Die nächsten Tage rückte ich das Schälchen jedes Mal ein bisschen weiter zur überdachten Terrasse, damit das Futter, falls es regnen sollte, nicht nass würde, und Igelchen kam jede Nacht vorbei, d.h. jeden Morgen war das Schälchen leer. Wirklich Igelchen? Eine Wildkamera wurde angeschafft, um das genau festzustellen. Tatsächlich, ein einäugiges Igelchen kam jede Nacht zum Fressen. Bei den Infrarot-Aufnahmen der Wildkameras leuchten die Augen der aufgenommenen Tiere und bei unserem Igelchen leuchtete nur eines, das zweite war blind.
Jeden Tag gab es einen gehäuften Esslöffel Igelfutter – eine Zufütterung für den Winterspeck. Anfang November blieb das Futterschälchen voll und Igelchen hielt sicher Winterschlaf, ich habe es vermisst und mir zum Ersatz das Buch "Der Igel - Nachbar und Wildtier" von Anouk Lisa Taucher und Madeleine Geiger besorgt, das zu lesen ich allen Igelfreunden nur empfehlen kann. Im nächsten Frühjahr tauchte das einäugige Igelchen leider nicht mehr auf....."
Im darauffolgenden Sommer streift Moppel durch den Garten
Herbst 2023: Flitzer auf Wohnungssuche
Spätherbst 2023: Igel Flitzer auf Wohnungssuche
(© A. Eckel)
Ab dem Herbst gesellte sich Flitzer, ein offensichtlich noch jüngerer Igel, aber gerade schwer genug für den Winterschlaf (ich habe ihn sicherheitshalber gewogen: 640 Gramm), dazu. Er hat den Namen Flitzer bekommen, weil ich mit der Wildkamera mal Videos machte, auf denen er unter dem Rhododendronbusch vor unserer Haustür eifrig hin und her flitzte, ganz anders als der gemütliche Moppel. Hinter dem Rhododendronbusch befindet sich auch der Kompost unseres Nachbarn. Flitzer schlüpfte auch gleich in das Igelhäuschen und ließ sich das Rührei schmecken, für das sich Moppel – ganz anders wie sein Name erwarten lässt – überhaupt nicht interessierte. Durch die warmen Temperaturen fanden beide schwer in den Winterschlaf, Moppel habe ich bis vor Weihnachten noch gesehen und Flitzer sogar noch bis in den Januar hinein.
Des Nachts auf Igelpirsch mit der Wildkamera
Nachts mit der Wildkamera auf Igel-Pirsch
(© A. Eckel)
Es ist absolut spannend mit einer Wildkamera des Nachts im Garten rund ums Haus auf Entdeckungstour zu gehen.
Zur Wildkamera:
Für den Garten in Hausnähe reicht eine einfache Wildkamera für ca. 70 Euro ohne Internetanschluss. Das ist nicht nötig, da sie rund ums Haus eingesetzt wird. Die Wildkamera hat einen Chip und für den wird ein Kartenlesegerät benötigt, um die Bilder von der Wildkamera auf einen PC zu übertragen. Die Wildkamera selber hat ein Display, auf dem man die Bilder ebenfalls ansehen kann, aber das Display ist vergleichsweise klein. Außerdem gibt es ein Menü in dem man zunächst auswählt, ob man Bilder oder Videos machen möchte. Dort lassen sich außerdem grundlegende Größen einstellen, z.B. die Empfindlichkeit des Bewegungsmelders, die Auflösung der Bilder, wie viele Bilder bei Auslösung gemacht werden sollen, ggf. ein Zeitfenster, ggf. den Zeitlupen-Modus für Videos und einiges mehr. Wird die Wildkamera übrigens im Video-Modus betrieben, sind die Batterien recht schnell leer, im Foto-Modus halten sie gefühlt eine Ewigkeit. Wenn man die Bilder vom Chip auf einen Rechner übertragen hat, legt man den Chip wieder in die Wildkamera ein und formatiert ihn, was auch im Menü angeboten wird.
Vielleicht habt ihr schon oft gesehen, das Biologen oder Jäger die Wildkamera an einem Baumstamm befestigen. Das wäre für ein Tier wie den Igel ein bisschen zu hoch. Ein einfaches Stativ, das ich bei jedem Wetter draußen gelassen werden kann, ist besser geeignet. Darauf wird die Wildkamera geschraubt. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mit dem Stativ recht flexibel bin, was die Aufstellung der Kamera angeht.
Die Wildkamera ist nicht nur nachts auf der Pirsch nach Igeln eine große Hilfe, es lassen sich auch Aufnahmen am Futterhaus oder am Nistkasten damit machen.
Igel-Spuren
Die Nachbarn haben die Aktivitäten der Igel-Pirsch mitbekommen und ganz erstaunt gefragt, ob es denn bei uns hier noch Igel gäbe. Ja früher schon, da hätten sie mal welche in der Dämmerung gesehen, aber heute….? Oft bemerken wir die nächtlichen Wanderer, die auf Futtersuche in unseren Gärten herumstöbern nicht. Ein Hinweis auf die Anwesenheit eines Igels sind seine Hinterlassenschaften, kleine, dunkle, fast schwarze Würstchen, etwa bis zur Größe des kleinen Fingers eines Kindes. Manchmal erkennt man noch das Stück eines Käferflügels darin.