Igelforscher gesucht

Igelforscher gesucht für ein deutschlandweites Igel-Monitoring

 (@Monika/Pixabay)

Igel werden in vielen Gegenden immer seltener, weshalb sie mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschland stehen. Leider gibt es bisher für Deutschland kaum aussagekräftige Daten, wo wie viele Igel leben. Das möchten wir ändern und dafür brauchen wir ganz viele Igelforscher*innen. Deshalb: Werde Igelforscher*in und finde mit uns heraus, wie häufig Igel regional noch vorkommen und wo Gefahrenquellen lauern.

Wie wird man Igelforscher*in?

Als Igelforscher*in meldest Du mit der App ObsIdentify (siehe unten) zufällig gesichtete Igel!
Mit deiner Teilnahme leistest du einen wertvollen Beitrag zum Igelschutz: Je mehr Igelforscher*innen bei der Igel-Challenge mitmachen und gesichtete Igel melden, umso mehr finden wir über die kleinen, stacheligen Kerlchen heraus und umso besser können wir ihnen helfen. Alle gemeldeten Daten werden gesichtet und ausgewertet.  Die Auswertungen geben uns Hinweise, mit welchen konkreten Schutzmaßnahmen wir Igeln helfen können. Als Datenbasis sind Eure Beobachtungen eine Argumentationshilfe im Diskurs mit Verwaltungen, um konkrete Maßnahmen durchzusetzen, etwa um besonders gefährliche Straßenpassagen zu entschärfen oder Zäune z.B. öffentlicher Grundstücke für Igel passierbar zu gestalten.

 

Teilnahme an der Igel-Challenge - ganz einfach per Smartphone und App. Teilnahme an der Igel-Challenge - ganz einfach per Smartphone und App.  (© Martina Gehret)

Das Monitoring startete am 1. Oktober 2024, und läuft fünf Jahre bis zum 30. September 2029.

Ziel ist es, möglichst viele zufällig gesichtete Igel an unterschiedlichen Orten zu melden. Für die Igelforscher*innen mit den meisten Sichtungen unterschiedlichen Igel winken einige Preise, z.B. Sachbücher zum Igel oder Bausätze für Igelhäuser. Es ist geplant, das Igel-Monitoring über die Igel-Challenge hinaus weiter fortzuführen.
Der BUND Naturschutz richtet die Igel-Challenge gemeinsam mit dem Verein Pro Igel  aus. Die Igel-Challenge findet deutschlandweit statt.

App Obsidentify und Datenmeldeplattform Observation.org

Die Teilnahme am Igel-Monitoring ist einfach und die Technik dazu liefert Observation.org – die größte Naturmeldeplattform Europas.
Die Naturmeldeplattform Observation.org ermöglicht die Erfassung der Igel (und jeglicher anderer Tiere und Pflanzen) über die Webseite oder direkt im Gelände mit Hilfe der Smartphone-App ObsIdentify - eine kostenlose App mit automatischer Bilderkennung. Alternativ können Igel mit jeder anderen Kamera, z.B. einer Wildkamera [1], fotografiert werden. Die Bilder müssen dann auf einen Rechner übertragen werden und können von dort auf die Naturmeldeplattform hochgeladen werden. Selbst wenn es ein trauriger Anblick ist, so sollen auch Igel-Verkehrsopfer für das Projekt fotografiert und gemeldet werden.
Die gesammelten Daten werden trotz KI (Künstlicher Intelligenz) noch einmal von Expert*innen geprüft, um eine hervorragende Datenqualität zu garantieren.

Um Igel zu melden sind jetzt noch folgende Schritte nötig:
1. Registriere dich bei observation.org: Konto erstellen
Mit einem Konto bei Observation.org kannst Du von einem Rechner Bilder von Tieren (also auch Igeln) und Pflanzen auf die Naturmeldeplattform hochladen.

2. Lade dir die kostenlose App ObsIdentify auf Dein Smartphone.
App für Android-Smartphone im Google Play Store herunterladen
App für Apple iPhone im Apple App Store herunterladen

2a)  Dein Konto bei Observation.org und die App auf deinem Smartphone kooperieren zusammen. Auch von der App aus kannst du direkt auf die Website der Naturmeldeplattform Observation.org zugreifen.

3. Gehe raus und begib dich auf Igelsuche.

4. Mach mit der App ein Foto von dem Igel.

5. Lade deine Beobachtung über ObsIdentify in dein Konto hoch. Fertig!

Die Igel-Challenge läuft in Kooperation mit Pro Igel e.V. und wird für den BUND vom BUND Naturschutz in Bayern betreut. Noch mehr Informationen findet ihr auf Igel-Challenge Seite des BUND Naturschutz.

Wo finde ich gemeldete Igel-Sichtungen?

Die Daten aus der Challenge werden regelmäßig in die Datenbank Global Biodiversity Information Facility (GBIF) überführt. Auf der Seite https://land.gbif.de/occurrence/search/ lassen sich die von den Igelforscher*innen gesammelten Daten abrufen: Dazu wird in das Feld „Art/Taxonomische Gruppe“ der Name der zu suchenden Tier- oder Pflanzenart eingegeben. Da die deutschen Artnamen nicht immer eindeutig sind, empfehlen wir den lateinischen Namen der Art einzugeben, der über Google schnell erfragt werden kann. Also im Fall unseres Braunbrustigels „Erinaceus europaeus”.

In die Datenbank GBIF fließen nicht nur die gemeldeten Igel-Sichtungen aus der Igel-Challenge, sondern auch aus anderen Naturmeldepattformen, z.B. Naturgucker, iNaturalist und andere.

Mäh- und Rodungsarbeiten: Igel-Challenge hilft Igel zu schützen

 (© Angelika Eckel)

Tödliche Falle Winterschlaf: Warum wir für den Igelschutz Daten brauchen

Um den Igelschutz bei Mäh- und Rodungsarbeiten konsequent durchzusetzen, brauchen wir Fakten: Wenn wir belegen können, dass Igel in einem Gebiet leben, können wir wirksame Schutzmaßnahmen einfordern.

Das Problem:

Rodungen müssen aus Gründen des Vogelschutzes zwischen Oktober und Februar stattfinden, also genau in der Zeit, in der Igel Winterschlaf halten und Kreiselmähern, Motorsägen und Baggern schutzlos ausgeliefert sind. Schreckliche Vorfälle wie die „Igel-Massaker“ in Dortmund oder Herten zeigen, dass dringend gehandelt werden muss. Zwar wird versucht, Gebiete mit Wärmebildkameras abzusuchen (wie angeblich in Herten) – doch das ist ein fataler Irrtum! Da Igel ihre Körpertemperatur im Winterschlaf auf bis zu 1 bis 5 Grad absenken, sind sie für Wärmekameras praktisch unsichtbar.

Wichtig zu wissen: Artenschutz ist keine freiwillige Aufgabe, sondern gesetzlich verankert.

  • Tierschutzgesetz (§ 1 TierSchG): Das Unterlassen notwendiger Kontrollen vor Mäh- und Rodungsarbeiten kann eine erhebliche Pflichtverletzung darstellen, wenn absehbar ist, dass Tiere zu Schaden kommen.
  • Bundesnaturschutzgesetz (§§ 39 und 44 BNatSchG): Es ist gesetzlich verboten, die Lebensstätten und Rückzugsorte geschützter Arten zu zerstören.

Was für Gemeinden im öffentlichen Raum gilt, gilt natürlich ebenso für uns Privatgärtner*innen.

Hier kommt die Igel-Challenge ins Spiel: Wenn wir wissen, wo Igel leben, können Kontrollen im Vorfeld gezielt eingeplant werden. Das motiviert sowohl Mitarbeiter*innen in Grünflächenämtern als auch Privatgärtner*innen, genauer hinzuschauen. Im betroffenen Gebiet in Dortmund gab es kaum Igel-Meldungen – das wollen wir ändern! Meldet eure Sichtungen, damit wir die Tiere durch die Pflicht zur händischen Kontrolle (§ 1 TierSchG, §§ 39, 44 BNatSchG) besser schützen können. Zukünftig könnten auch Artenschutzhunde zum Einsatz kommen. Eine Hundeschule in Geldern sowie eine weitere in Cuxhaven bieten bereits eine Ausbildung zum Igel-Suchhund an.

Helft mit: Meldet Igel der Igel-Challenge! Je besser wir dokumentieren, wo unsere stachligen Nachbarn leben, desto besser können wir sie vor dem „Mähtod“ bewahren.