Für Igel: Mehr Totholz in den Garten

Für Igel: Mehr Käfer in den Garten!

Frisch aufgeschichteter Totholzhaufen Frisch aufgeschichteter Totholzhaufen  (© Klaus Eckel)

Der Rückgang der Insekten erschwert die Nahrungssuche nicht nur für Vögel und Fledermäuse ganz erheblich; auch für Igel, die zu den Insektenfressern gehören, sind die Portionen auf dem Teller kleiner geworden.

Doch was genau fressen Igel eigentlich?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Untersuchungen des Kots sind aufwendig, da Regenwürmer, Schmetterlingsraupen und Engerlinge keine sichtbaren Spuren hinterlassen. So wird heute immer noch auf vier Studien aus den Jahren 1973-1984 zurückgegriffen, wenn es um die Nahrungszusammensetzung des Igels geht. Im Untersuchungszeitraum machten Käfer gefolgt von Raupen und Regenwürmern mit Abstand den größten Teil der Nahrung aus, nämlich knapp 80%, teilweise fraßen Igel sogar anteilig über 50% Käfer, wie z.B. aus der Familie der Laufkäfer, die auch nachts unterwegs sind wie die Igel. Vermutlich würden die Anteile in der Nahrung der Igel heute anders ausfallen. Da es weniger Insekten gibt, werden Igel mehr Regenwürmer und auch die wegen dem Schleim eher unbeliebten Schnecken fressen.

Nach einer Studie aus dem Jahre 2019 nahmen weltweit 41 Prozent der Insektenarten ab, bei den Käfern waren mit 49 Prozent sogar überproportional viele Arten betroffen.

So erzählte Prof. Peter Berthold, bis 2005 Leiter der Vogelwarte Radolfzell, in einer Fernsehsendung, dass er in jungen Jahren, also zu einer Zeit, als die Windschutzscheiben der Autos nach längeren Fahrten übersät mit den Rückständen der gegen sie geflogenen Insekten waren, nicht nur wegen der Sturzgefahr einen Helm beim Motorrollerfahren trug, sondern auch, weil ihm sonst die Käfer „pong, pong pong“ an den Kopf flogen – nicht gerade angenehm.

Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig – dazu gehören der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln in der Landwirtschaft und leider auch immer noch in privaten Gärten und auf öffentlichen Grundstücken. Wer Schneckenkorn ausbringt, vergiftet nicht nur Schnecken! Weitere Gründe liegen in der zunehmenden Urbanisierung und die mit ihr einhergehende Versiegelung der Böden. Gärten und Parks werden immer aufgeräumter, kaum findet sich noch Totholz, bzw. ein Laub- oder Komposthaufen. Und wenn Kompost, dann zum Verrotten schön in Plastikcontainern verpackt.

Alter Totholzhaufen mit Rupf, hier hat sich ein Greifvogel seine Beute schmecken lassen Alter Totholzhaufen mit Rupf, hier hat sich ein Greifvogel seine Beute schmecken lassen  (© Angelika Eckel)

Aber: engagierte Gärtner können Abhilfe schaffen!

Laubhaufen: die einfachste und gleichzeitig sehr effektive Maßnahme zum Schutz der Artenvielfalt

Im Herbst spricht nichts dagegen, heruntergefallenes Laub von Gehwegen und Rasenflächen zusammenzuharken. Anstatt es anschließend zur Kompostierung zur Grünschnittverwertung zu bringen, kann in einer Gartenecke ein schöner Laubhaufen aufgeschichtet und mit Zweigen abgedeckt werden. So ein Laubhaufen bietet vielen Tieren – auch dem Igel – einen Unterschlupf oder sogar Winterquartier. Kröten, Frösche und Molche und viele Kleintiere wie Springschwänze, Käfer und Larven diverser Insektenarten suchen hier Schutz vor der winterlichen Kälte. Auch Pilze, Algen und Bakterien, die sich schon im Winter an die Verwertung des aufgeschichteten Laubs machen, gehören zur Artenvielfalt und sollten deshalb in unserer Aufzählung nicht fehlen.

Wer ein komfortables Winterquartier für Igel bereitstellen möchte, kann unten in den Laubhaufen einen festen Unterschlupf einbauen. Dazu z.B. aus der Schmalwand einer Holzkiste einen mindestens 10 Zentimeter mal 10 Zentimeter großen Eingang sägen, ggf. das Dach mit Dachpappe abdichten. Die Kiste unten in den Laubhaufen platzieren, so dass der Eingang von außen sichtbar ist. Hinweis: Igelunterkünfte immer ohne Boden bauen, da Igel in Wachzeiten im Winter ihr Geschäft im Unterschlupf verrichten. Der Phantasie einen stabilen Hohlraum einzurichten sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Totholz und Totholzhaufen – wertvolle Lebensräume im Garten

Totholz ist essentiell für die Entwicklung vieler Insektenlarven. So nutzt eine ganze Reihe von Käfern gut abgelagertes oder vermodertes Totholz – bevorzugt von Laubbäumen – als Kinderstube. Im Herbst, wenn Bäume und Sträucher gestutzt werden, lassen sich mit diesem Holz wunderschöne Totholzhaufen anlegen.

Dazu wird im Garten ein kleines Areal (etwa 1 Meter mal 1 Meter) ca. 5 Zentimeter tief ausgehoben. Dahinein werden Laub und Grünschnitt gegeben und darauf Holzstücke, dicke Äste und auch dünnere Zweige geschichtet. Laub, Grünschnitt und der gute Bodenabschluss sorgen dafür, dass das Holz schneller von Bakterien, Mikroben und Pilzen besiedelt wird, die das Holz aufschließen und für die weitere Zersetzung vorbereiten. Danach ziehen andere Bewohner ein: Außer Käfern nutzen einige Wildbienen und Solitärwespen morsches Totholz als Kinderstube, und Spinnen, Asseln und viele andere Krabbeltiere fühlen sich dort wohl.Muss ein Baum gefällt werden, kann ein Stück vom Stamm (ab zwei Metern Höhe) als stehendes Totholz belassen und mit dekorativen  heimischen Stauden umpflanzt, in die Gartengestaltung einbezogen werden.
Auf kleinere Stammstücke lassen sich Blumentöpfe stellen, bis nach einigen Jahren, die Stammstücke vermodern. In der Zwischenzeit bietet auch dieses kleine Totholzhabitat manchem Insekt einen Lebensraum.

Übrigens: Je nachdem, ob der Totholzhaufen einen Sonnenplatz hat oder im Schatten steht, werden sich andere Bewohner einstellen.

Am besten gleich anfangen – die Igel haben Hunger!

Grundsätzlich gilt, dass Totholzprojekte Langzeitprojekte sind. Damit die gewünschten Bewohner einziehen, muss das Totholz einen gewissen „Reifegrad“ haben, wofür erst einmal Pilze, Bakterien und Mikroben zuständig sind. Ein bisschen Geduld ist also nötig bis man feststellt, dass die Käferpopulation im Garten zugenommen hat.

Prunkstück: Das Igel-Restaurant „Zum Käferkeller“

Käferkeller: Kinderstube für Käferkinder und Unterschlupf für eine ganze Reihe Insekten Käferkeller: Kinderstube für Käferkinder und Unterschlupf für eine ganze Reihe Insekten  (© Sigrid Bender (BUND Wolfrathshausen))

Alternativ zum Totholzhaufen kann man einen sog. Käferkeller anlegen. Dazu wird eine größere Grube (ab 70 Zentimeter *70 Zentimeter; ca. 50 Zentimeter tief), ausgehoben und mit Stammstücken, Ästen und Hackschnitzeln gefüllt. Durch den Bodenkontakt bleibt das Holz feuchter und verrottet schneller. Mikroben, Pilze uind Bakterien haben es etwas einfacher als bei einem oberirdischen Totholzhaufen. Man könnte sagen: ein Käferkeller ist ein Turbo-Totholzhaufen. Oben lässt sich so ein Käferkeller mit besonders schönen Aststücken oder einer sparsamen Bepflanzung am Rand dekorieren.