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BUND-Kreisgruppe Wesel

BUND-Regio-Landpartie 2018 zur Ziegenkäserei Hof Sondermann

BUND-Regio-Landpartie 2018: Iglo-Vertragsanbau und Ziegenhaltung/ Käseherstellung auf dem Hof Sondermann in Dorsten Lembeck

Käselaibe in der Reifekammer  (Angelika Eckel)

Am 27.10.2018 war die von der BUND-Kreisgruppe Bottrop organisierte BUND-Regio-Landpartie 2018, an der BUND-Mitglieder aus den Kreisen Bottrop und Wesel gemeinsam teilnahmen, zu Gast in der Ziegenkäserei Hof Sondermann in Dorsten-Lembeck.

Hof Sondermann in Dorsten-Lembeck

Der Hof Sondermann ist ein konventionell wirtschaftender landwirtschaftlicher Betrieb mit drei Ertragszweigen: Kräuter- und Gemüseanbau (Spinat) für das Iglo-Werk in Reken, dann Schweinezucht mit 700 Sauen für die Nachzucht von Mastschweinen und Ziegenhaltung mit Ziegenkäserei. Die Milch der eigenen ca. 80 «Weißen Deutschen Edelziegen» sowie die eines weiteren Betriebes mit ca. 100 Ziegen wird in der hofeigenen Ziegenkäserei verarbeitet. Der Käse wird im Hofladen direkt an die Kunden verkauft. Zusätzlich werden Restaurants und einige Supermärkte in der Region beliefert.

Wie funktioniert Vertragsanbau für Iglo?

Das Gemüse für die Tiefkühlprodukte des Herstellers wird auf Bauernhöfen in der Nähe des Iglo-Werkes Reken angebaut: in nur drei Stunden kommt der Spinat vom Feld in die Packung (Iglo-Frischegarantie). Außerdem werden für Iglo vor Ort im Münsterland noch Kohl und Porree angebaut.
Auf dem Hof Sondermann werden hauptsächlich Spinat und Kräuter angepflanzt. Beim Spinatanbau werden drei Ernten im Jahr erzielt. Danach muss sich der Boden erholen, vier Jahre werden weniger anspruchsvolle Pflanzen (z.B. Kräuter) angebaut. Erst danach darf wieder Spinat auf das Feld. 
Bei der Schnittlauchernte kommt übrigens ein Schnittlauchernter zum Einsatz. Diese Maschine schneidet den Schnittlauch schon bei der Ernte sauber in kleine Röllchen und friert sie direkt auf dem Feld noch ein.
Damit nicht alle Gemüse von allen Feldern rund um das Iglo-Werk gleichzeitig angeliefert werden, gibt Iglo den Bauern die Erntezeiten vor. Selbst wenn das Wetter nicht mitspielt, muss nach Plan geerntet werden. Im Gegenzug garantiert Iglo den Landwirten die Abnahme der Ware, auch wenn sie nicht den Iglo-Standards entspricht, weil z. B. nach einem Sturm zu viele fremde Blätter im Spinat sind. Der Spinat wird in diesem Fall entsorgt, der Landwirt trotzdem bezahlt. 

Wohin mit der Gülle und Stallmist?

Gülle bzw. Mist kommt übrigens auf keine der Iglo-Vertragsflächen. Der Hersteller möchte damit jede Möglichkeit einer eventuellen Keimbelastung (z.B. EHEC) für seine Produkte ausschließen. Deshalb kommt – je nachdem, was die Bodenproben ergeben - Kunstdünger zum Einsatz.

 Stickstoffdünger gilt allerdings als besonders klimaschädlich: Ein Teil des ausgebrachten Düngers wird in Lachgas umgewandelt und wirkt als Treibhausgas. Nachhaltig und umweltgerecht –wie sich Iglo gern darstellt - ist das in unseren Augen nicht.

Da Gülle und Stallmist nicht auf die Felder für den Iglo-Gemüseanbau ausgebracht werden dürfen, ist keine Kreislaufwirtschaft (Grundlage des ökologischen Landbaus) möglich. Betriebe, die für Iglo produzieren können somit nicht ökologisch wirtschaften. Die Realität sieht also nicht ganz so nachhaltig aus, wie Iglo das auf der eigenen Website darstellt. 

Welche Pestizide kommen zum Einsatz, etwa auch Glyphosat?

Glyphosat kommt nicht zum Einsatz kommt. Vorsorglich werden keine Pestizide eingesetzt. Im Fall eines Schädlingsbefalls werden in Abstimmung mit Iglo-Anbauberatern gezielt spezielle Mittel angewandt. 
 
 

Ziegenhaltung auf dem Hof Sondermann

Seit 31 Jahren werden auf dem Hof Ziegen gehalten. Heute leben ca. 80 Weiße Deutsche Edelziegen im Stall ohne Freiland-Auslauf. Als Futter bekommen sie Heu aus einem nahegelegenen Naturschutzgebiet, außerdem wird Futter zugekauft. Ziegen sind Allesfresser, was bedeutet, dass sie im Freiland nicht nur schmackhafte Kräuter, sondern auch Brennnesseln und Disteln fressen sowie Äste knabbern. Geschmacksstoffe aus dem Futter finden ihren Niederschlag in der Milch. Um eine gleichbleibende Milchqualität zu gewährleisten hat man sich deshalb für die Stallhaltung entschieden, wo das Futter der Ziegen kontrolliert werden kann.
Ziegen sind sehr robuste Tiere und so gut wie nie krank. Bei ca. fünf Tieren im Jahr tritt Polyarthritis auf. Das lässt sich nicht vermeiden, denn die Erreger werden schon von der Mutter an die Kinder weitergegeben. Betroffenen Tiere erhalten ein Antibiotikum.

Wie aus der Ziegenmilch Ziegenkäse wird

Eine Ziege gibt im Jahr etwa 1000 kg Milch bei 3,5 – 4 % Fett und 3 % Eiweiß. Ziegenmilch gilt als sehr verträglich. Dabei ist sie mit Kuhmilch vergleichbar, lediglich ihre Fettsäureketten sind etwas kleiner, was die Verdaulichkeit  erleichtern könnte. 

Käseherstellung: Im Betrieb Sondermann wird Ziegenkäse aus pasteurisierter Milch hergestellt, d.h. die Milch wird für mindestens 15 Minuten auf 63 °C erhitzt. Anschließend erfolgt das Dicklegen der Milch durch Milchsäurebakterien (für Frischkäse) oder es wird biotechnologisch hergestelltes Labzugesetzt, um Weich-, Schnitt- oder Hartkäse herzustellen. 
Im nächsten Schritt wird die gedickte Milch, der sog. Bruch, in einer Zentrifuge von der Molke, dem flüssigen Teil der Milch getrennt. Es entsteht Käse-Bruch.  Der Käsebruch wird zerteilt, mit  Gewürzen oder Kräutern angereichert und in sortentypische Formen gegegeben. Frischkäse wird portioniert – in der Ziegenkäserei Sondermann benutzt man dazu eine handelsübliche „Bratwurstmaschine“, was das mühselige Abwiegen per Hand enorm erleichert. Die Käse aus denen Schnitt- oder Hartkäse werden soll, werden in Salzlake gebadet. Danach ruhen und reifen sie bis zum Verkauf in der Reifekammer.

Verkostung und Fazit

Im Anschluss an die Hof- und Käsereibesichtigung haben wir noch die Gelegenheit, die leckeren Ziegenkäse zu probieren. Auch eine Ziegenfrischkäsetorte findet bei allen Teilnehmern Anklang. 
Trotzdem würde es uns besser gefallen, wenn die Ziegen auch auf dem Sondermann-Hof Weideausgang hätten und nicht ihr Leben im Stall verbringen müssten. 


1: Traditionell wird Lab, (Enzym) aus Kälbermägen gewonnen. Biotechnologisch hergestelltes Lab genügt den Ansprüchen von Vegetariern.

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