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BUND-Kreisgruppe Wesel

Landwirtschaft: BUND-Landpartie 2018

Landwirtschaft: BUND Landpartie 2018

BUND-Landpartie 2018:  Mitglieder unterschiedlichen Kreis- und Ortsgruppen vor dem Hühnermobil auf dem Damberghof in Hamm  BUND-Landpartie 2018: Mitglieder unterschiedlicher Kreis- und Ortsgruppen vor dem Hühnermobil auf dem Damberghof in Hamm. 3. und 4. von rechts, die Bauern vom Damberghof, 2. von rechts Veronika Heiringhoff-Campos, Bioland-Naturschutzberatung, 7. von rechts Ralf Bilke BUND-Landesverband NRW, ganz links Angelika Eckel von der Kreisgruppe Wesel,  (© Adalbert Niemeyer-Lüllwitz)

Beim Hofrundgang auf dem Damberghof (Hamm) mit Bauer Harald Haun und Bioland-Naturschutzberaterin Veronika Heiringhoff Campos können die BUNDler*innen viele Fragen loswerden. 

Der Hofrundgang startet bei den Legehennen, die in einem Hühnermobil auf der grünen Wiese zu Hause sind, was ein bisschen an Urlaub im Wohnwagen erinnert. Den 225 Legehennen vom Damberghof geht es um ein Vielfaches besser als ihren Kolleginnen in der Massentierhaltung der konventionellen Landwirtschaft.

 

Was macht ein Ei zu einem Bioland-Ei? - die artgerechte Tierhaltung

Was heute jeder weiß: für alle BIO-Produkte gilt die EU-Öko-Verordnung. Bioland legt noch einen oben drauf, nämlich die Bioland-Richtlinien, in denen u.a. Biodiversität und Naturschutz verankert sind. Auf einem Bioland Hof werden die Legehennen so artgerecht wie möglich gehalten, d.h. die Tiere haben ganzjährig Auslauf – das ist gut für das Immunsystem. Wie viele Bio-Höfe wird auch auf dem Damberghof für die Legehennen-Freilandhaltung in kleinen Gruppen (225 Legehennen)  ein sog. »Hühnermobil« eingesetzt. Ein Vorteil: ist die Grasnarbe auf dem Wiesengrundstück vor dem Hühnermobil strapaziert, lässt es sich relativ einfach auf der Wiese versetzen: die alte Grasnarbe kann sich erholen, und die Hühner bekommen einen frisches Wiesenstück als Auslauf. Durch den Wechsel des Wiesenstücks für den Freilandauslauf wird auch das Parasitenproblem durch Verkotung erheblich verringert. Im Außenbereich finden die Hühner Schatten, Sichtschutz und Verstecke vor Greifvögeln. Diese Versteckmöglichkeiten geben ihnen ein sicheres und beruhigendes Gefühl.

Als nächstes besichtigen wir den Schweinestall, auch hier Licht, Frischluft und Auslauf. Alle Bewohner sehen gesund und munter aus. Unterwegs möchten wir dann von Bauer Haun wissen: 

Welche Probleme hat der trockene Sommer dem Bauern bereitet?

Die Kreislaufwirtschaft des ökologischen Landbaus bedingt, dass Biohöfe mehrere Standbeine haben – und in trockenen Sommern Ernteeinbußen deshalb nicht alle Bereiche gleichermaßen treffen.

Auf dem Damberg-Hof in Hamm werden Hühner, Schweine und Rinder gehalten, dazu ein paar Schafe. Letztere sind eine gute Hilfe, wenn zum Beispiel die Ackermelde, ein weit verbreitetes Ackerunkraut, überhandnimmt.  Das Futter für die Tiere wird selber angebaut, dazu Weizen, Roggen und Dinkel für eigene Backwaren und den Hofverkauf.
Der trocken-heiße Sommer 2018 wirkte sich sehr unterschiedlich auf die Ernte aus: Während Hafer-, Roggen- und Dinkelernte weitgehend normal ausfielen,  gab es beim Weizen eine Einbuße von ca. 40%. Die Probleme beim Futter für die Tiere halten sich noch in Grenzen. Im Frühsommer, so erfahren die Bundler*innen, wurde reichlich Heu geerntet. Einen trockenen Sommer später haben sich die Preise fürs Viehfutter verdoppelt und auch auf dem Damberghof wird das Futter knapp. Landwirt*innen müssen seit jeher mit dem Risiko von Minderernten leben, doch der Hofbesuch zeigt: Je breiter die Produktion aufgestellt ist, desto geringer die Gefahr eines Totalausfalls. 

Engagiert sich Bioland für den Artenschutz? – die Bioland Naturschutzberatung

Außer Bauer Haun begleitet uns Veronika Heiringhoff Campos, Naturschutzberaterin bei Bioland: »Bio-Bauern haben ein entspannteres Verhältnis zu Ackerunkräutern als ihre konventionell wirtschaftenden Kollegen, - doch überhand nehmen dürfen Wildkräuter deshalb nicht.«  Blühstreifen für Insekten, die im Ökolandbau ausgebracht werden, müssen deshalb eine ganz bestimmte Eigenschaft haben: Die Blumen der Saatgut-Mischung dürfen sich nicht massenweise vermehren. Da Bio-Bauern keine Herbizide wie Glyphosat einsetzen, müssen sie etwaig ausgewilderte sog. Beikräuter mechanisch vom Acker entfernen. Eine passende Blühstreifenmischung zusammenzustellen ist eines der Probleme, mit dem sich die eigens eingerichtete Bioland Fachberatung Naturschutz auseinandersetzt.

Außerdem werden Bioland-Landwirte in allgemeinen Naturschutzfragen rund um den Hof beraten: Auf einem Hof in der Nachbarschaft blieben die Schwalben aus? Was kann die Ursache sein? Nach einem Hofbesuch ist dem Bioland-Naturschutzberater schnell klar: der Platz vor den Ställen wurde frisch gepflastert, im Jahr davor gab es noch genügend unversiegelte Flächen, wo die Schwalben feuchte Erde zum Bau ihrer Nester finden konnten. Jetzt wird gemeinsam mit dem Bauern nach einer Lösung gesucht.

Nach dem Mittagsessen diskutieren die BUNDler*innen zusammen mit Jan Leifert, Landesgeschäftsführer von Bioland NRW in der Bioland-Geschäftstelle in Hamm-Süddinker unter anderem über die Entwicklung des ökologischen Landbaus.

Wie entwickelt sich der Öko-Landbau? - Neue Vertriebswege (Lidl)

Zu Bioland NRW gehören (Stand 31.12.2017) ca. 700 Erzeuger-Betriebe, 100 Betriebe sind in den letzten zwei Jahren (also seit dem 1.1.2016) dazugekommen. Trotz dieses Wachstums hinkt in Deutschland die Öko-Erzeugung der Verbrauchernachfrage hinterher. Nicht alle Produkte lassen sich aus klimatischen Gründen regional produzieren. Dabei hat - gerade mit Blick auf Klimawandel und Verkehrsaufkommen - eine regionale Produktion Priorität. Zugleich gibt es in NRW eine ganze Reihe von Milcherzeugern, die gern auf Öko-Haltung umsteigen möchten. Allein der Absatz von Milch stößt aktuell an seine Grenzen, so dass weitere Bauern derzeit nicht aufgenommen werden können.
Große Hürden für eine Umstellung der Tierhaltung auf 'bio' stellen insbesondere die Großställe für Mastschweine und Hähnchen dar. Diese sind ihrer schieren Größe nach, aber auch wegen fehlender Auslaufflächen, strukturell kaum für eine Umstellung geeignet. Mit Blick auf Vermarktungsstrategien wurde auch die Bioland-Kooperation mit Lidl angesprochen und kritisch diskutiert.

 

 

NRW hinkt im Öko-Landbau hinter anderen Bundesländern deutlich hinterher, der Anteil der ökologisch bebauten Flächen im Kreis Wesel beträgt nur 2,7% (Stand 2016).

Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH hat Karten (Stand 2016) für die einzelne Bundesländer (darunter auch NRW) herausgegeben, auf denen der Anteil der ökologisch bebauten Flächen bis auf Kreisebene einzusehen ist: Ein Klick hier führt zu den Karten.

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