Xanten, 20.07.2009, Peter Bußmann
Bei einem Rungang über die Bislicher Insel gibt es viele seltene Pflanzen zu entdecken.
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Ganz unscheinbar sah sie aus, die winzige kleine Pflanze. Höchstens zwanzig Zentimeter groß war sie, eine Vielzahl winziger Blüten, von außen in unverfänglichem Grün, reichten rund um den Stiel. Unbeachtet hatte Biologe Friedhelm Keil auf dem einzigen langen Weg über die Bislicher Insel seinen Fuß neben sie gesetzt, um eine ganz andere Pflanze zu erklären. So unauffällig stand sie in dem wild wuchernden Gras, das sie fast verdeckte.
Gerade hatte Keil das gelb blühende Jakobskreuzkraut erklärt, das daneben aufragte. Erklärte, dass die gelbe Pflanze derzeit Schlagzeilen mache, weil sie sich stark ausbreite und für Kühe giftig sei. Erzählte, dass Landwirte sie mit Stumpf und Stiel entfernten, mit Bioziden vergiftete. „Hier auf der Bislicher Insel darf sie ruhig bleiben.”
Da hatte einer der Teilnehmer der Botanischen Wanderung, die der Wuppertaler Diplom-Biologe in Kooperation mit der Biologischen Station des Kreises Wesel über die Bislicher Insel führte, neben seinem Fuß die kleine Pflanze entdeckt. „Eine Orchidee”, strahlte Keil, hatte die seltene Kostbarkeit, die aus der Vogelperspektive so unscheinbar aussah, dass sie am Wegrand unbeachtet blieb, hier noch gar nicht erwartet. Ein ehrfuchtsvolles Staunen ging durch die 22 wissbegierigen Wanderer.
Die Orchidee, breitblättriger Sumpfwurz oder breitblättriger Stendelwurz genannt, sei gar nicht mehr so selten, erklärte Keil. „Sie steht nicht mehr auf der Roten Liste, bleibt aber wie alle anderen Orchideen streng geschützt.” Fast wäre sie, jede einzelne Blüte gerade mal wenige Millimeter groß und unauffällig im gleichen Grün wie die Umgebung, übersehen worden.
Das war ein stiller Höhepunkt der Botanischen Beobachtungen, die der in Sonsbeck und Xanten aufgewachsene, heute in Wuppertal lebende selbständige Diplom-Biologe bis Herbst einmal monatlich auf der Bislicher Insel für Naturbegeisterte führt. „Zwei Stunden lang werden wir uns einzelne Pflanzenarten genauer anschauen, die gerade auffällig blühen”, begrüßte er die wetterfest gekleideten Wanderer, die vom Niederrhein und dem Ruhrgebiet angereist waren.
Eine kleine Entdeckungsreise war es Samstagmorgen. Einige waren mit Fotoapparaten bewaffnet, um die blühenden Wunder der Natur im Bild festzuhalten, andere hatten Block und Stift dabei, machten sich fleißig Notizen. Auffällig: Obwohl mitten in den Sommerferien, fehlte die Jugend gänzlich.
„Die ungeheure Landschaftsvielfalt macht das Gebiet der Bislicher Insel so wertvoll”, führte Keil in die zweistündige Wanderung ein. „Wer hier ein bisschen die Augen aufhält, kann zu jeder Zeit Neues entdecken.”
Diesmal waren es die blühenden Pflanzen, die blau blühende Vogelwicke, die Mehlbeere, Robinie oder die Wegwarte, auch Zichorie genannt. Aus deren Wurzeln, so erzählte Keil, machte seine Oma nach dem Krieg Kaffeeersatz.
Im September widmet der Biologe sich dann den Früchten und Samen. „Vielfalt wie im Feinkost-Laden?” Im Oktober heißt es dann „Blüht noch etwas? Finden wir Früchte, die noch kein Tier gefressen hat?” Zu wissenschaftlich wurde es Samstag jedenfalls nicht. Recht kurzweilig und interessant war die Wanderung bei zum Glück trockenem Wetter.