BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Nachrichten aus dem Kreis Wesel

6. Oktober 2009

Mehr als 500 Unterschriften gesammelt

Voerde

Voerde/Dinslaken. Die Bürgerinitiative Kohlehafen (BI) hat die im Voerder Rat kontrovers geführte Diskussion über die Stellungnahme der Stadt zum geplanten Kohlehafen erfreut zur Kenntnis genommen. Insgesamt hält die BI, die mehr als 500 Unterschriften mit Bedenken gesammelt hat, die Stellungnahme a

Mit Freude hat die Bürgerinitiative (BI) Kohlehafen die im Voerder Rat kontrovers geführte Diskussion über die Stellungnahme der Stadt zum geplanten Kohlehafen der Evonik Steag zur Kenntnis genommen, die im Zuge des anstehenden Regionalplanänderungsverfahrens abzugeben ist. Wie berichtet, hatte der Rat in seiner jüngsten Sitzung die von der Verwaltung vorgelegte Drucksache zu dem Thema dahingehend ergänzt, dass im Rahmen des Änderungsverfahrens alle Standortvarianten zum Projekt „ergebnisoffen” zu prüfen sind und ein unabhängiges Gutachten heranzuziehen ist. Man könne nur hoffen, dass das wahrgemacht werde, was in der Stellungnahme gefordert wird, so Matthias Stickel auf Anfrage. Insgesamt ist dem BI-Vorsitzenden der Standpunkt der Stadt Voerde zum Vorhaben der Evonik Steag aber zu milde. Er hoffe, dass sie das Projekt kritischer beäuge und hinterfrage, „ob das sinnvoll ist, was da geplant ist”.

Mehr als 500 Unterschriften mit Bedenken gegen das Vorhaben hat die Bürgerinitiative nach eigenen Angaben innerhalb von drei Wochen gesammelt. „Und es kommen täglich neue.” Noch bis zum 25. Oktober können Betroffene Bedenken bei der Bezirksregierung einreichen. Kurz vor Ablauf dieser Frist will die etwas mehr als 100 Mitglieder zählende BI die bei ihr eingegangenen Formulare persönlich in Düsseldorf abgeben. Wahrscheinlich wird es in Kürze noch eine Infoveranstaltung in Eppinghoven geben.

Auf der Homepage der Bürgerinitiative www.bi-kohlehafen.de finden sich u.a. vorgefertigte Musterbriefe an die Bezirksregierung.

2. Oktober 2009

Initiativen machen mobil gegen Kohlehafen

Voerde/Walsum

Wohlmöglich hat der geplante Kohlehafen in Voerde Auswirkungen auf Walsum. Zumindest sind das die Befürchtungen der Bürgerinitiative (BI) Kohlehafen, der BI gegen Umweltgifte und der BI gegen das Kohlekraftwerk Walsum.

Bei einer Informationsveranstaltung im Hotel-Restaurant „Am Rubbert” in Walsum berichteten die Aktivisten über die Pläne von Evonik Steag.

Die rund 30 Gäste im Publikum waren sich einig darüber, dass der Kohlehafen nicht gebaut werden darf. Sätze wie „die Pläne sind eine Schweinerei”, fielen mehrfach. Die Gemüter der betroffenen Anwohner sind erhitzt. Die im Juni vorgestellten Änderungen des Regionalplans sehen vor, dass auf den Äckern am Rheinufer zwischen dem Dinslakener Ortsteil Am Stapp und dem Kraftwerk Voerde ein zehn Hektar großes Kohlelager mit Hafenbecken entstehen soll, das bis zu 500 000 Tonnen Kohle, 14 Meter hoch aufgetürmt, aufnehmen kann.

Zentrale Stellschraube

Neben den allgemeinen Bedenken, dass der Bau des Kohlehafens massive Umweltbelastungen mit sich bringt, steht noch eine andere Befürchtung im Raum. Die Bürgerinitiativen vermuten, dass durch das Projekt die Grundlage für eine Erweiterung der Kohlekraftwerke in Walsum und Voerde geschaffen wird. Die Kapazitäten des Kohlehafens sind nämlich größer als der derzeitige Bedarf des Kraftwerks in Voerde, das der Hafen versorgen soll. „Wofür brauchen sie so viele Reserven?”, fragt sich Ingo Kock-Wingenfeld, stellvertretender Vorsitzender der BI Kohlehafen.

Für die engagierten Bürger ist das Logistik-Projekt die zentrale Stellschraube, um den Bau neuer Kohlekraftwerke und die Erweiterung von bestehenden Anlagen zu verhindern. „Der Kohlehafen ist die Achillesverse der Kohlekraftwerke”, sagt Wilfried Mohr von der Bürgerinitiative gegen das Kohlekraftwerk Walsum. „Wenn wir den Kohlehafen verhindern, können wir denen ganz schön in die Suppe spucken.” Um Einwände gegen das Bauvorhaben anzumelden, haben die Betroffenen noch bis zum 25. Oktober Zeit. Dann endet die verlängerte Frist für die öffentliche Auslegung der 66. Änderung des Regionalplanes für den Regierungsbezirk Düsseldorf (Gebietsentwicklungsplan 99).

Die Verlängerung der Frist war bereits ein erster Erfolg, den die BI Kohlehafen verbuchen kann. Nun versuchen die beteiligten Initiativen, genug Bürger zu mobilisieren, die ihren Unmut bei der Bezirksregierung Düsseldorf kundtun. „Wir müssen die Pläne verhindern”, ruft Wilfried Mohr die Betroffenen zum Handeln auf.

30. September 2009

"Hafen für noch mehr Kraftwerke"

Dinslaken

Der BUND lehnt das Projekt der Evonik Steag im Voerder Süden ab. Die Größe des Kohlehafens zeige, dass das Unternehmen nicht nur die schon in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerke versorgen wolle, sondern auch noch zusätzliche Kohlekraftwerke plane, so der BUND.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lehnt den geplanten Kohlehafen erwartungsgemäß ab. Die Größe des Kohlehafens zeige, dass Evonik Steag nicht nur die schon in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerke versorgen wolle, sondern auch noch zusätzliche Kohlekraftwerke plane.

Das geht aus der Stellungnahme zur 66. Regionalplanänderung (Neudarstellung Südhafen Voerde) hervor, die der BUND Kreis Wesel an das Landesbüro der Naturschutzverbände gesandt hat. Dort werden alle Stellungnahmen der Naturschutzverbände zusammengefügt und an die Bezirksregierung weitergegeben.

Es sei nicht begründet worden, weshalb der vorhandene Freiraum, der als Überschwemmungsgebiet für den Rhein dient, durch den Kohlehafen ersetzt werden solle, heißt es weiter. Und es sei nicht dargestellt worden, inwieweit der Deich gesichert sei und vor Hochwasser schützen könne, wenn der Kohlehafen gebaut werde, kritisiert der BUND.

Die Hintergrundbelastung der Luft in Dinslaken liege bei den Stickoxiden bereits bei 43 %, beim Feinstaub bei 71 %. Die so genannte „Irrelevanzschwelle” liege damit deutlich höher als in Standorten, in denen die Hintergrundbelastung nicht so hoch sei.

Wie Günther Rinke, Kreisgruppensprecher des BUND Wesel, und Petra Schmidt-Niersmann, die in der Bezirksarbeitsgruppe Luftreinhalteplan Dinslaken für den BUND mitarbeitet, betonen, muss die bisherige Devise „Wo viel Dreck ist, kann auch noch mehr hinkommen” aufgegeben werden, damit die Gesundheit der Bevölkerung nicht weiter geschädigt werde. Im übrigen verstoße sie gegen die EU-Luftqualitätsrichtlinie.

7. September 2009

Noch jede Menge zu klären

Niederrhein

Am Niederrhein. Dietmar Schitthelm muss eigentlich gar keine große Überzeugungsarbeit leisten. Dass der Düsseldorfer Regierungspräsident seine Zustimmung zu dem „Masterplan Niersgebiet” geben wird, ist dem Vorstand des Niersverbandes quasi schon sicher. „Manchmal ist weniger mehr”, sagt Schitthelm und zeigt Jürgen Büssow, dass durch die Renaturierung der Niers jede Menge Geld gespart werden kann: Anstatt 630 Millionen Euro in neue Regenrückhaltebecken zu stecken, um Regenwasser aufzufangen, könne man besser 140 Millionen Euro in den naturnahen Ausbau der Niers investieren. Das Ergebnis sei identisch, denn eine naturnahe Niers könne viel mehr Regenwasser aufnehmen.

Jürgen Büssow hat gestern gut zugehört. Der Regierungspräsident informierte sich beim Niersverband in Geldern über den künftigen Ausbau des Flusses. Seit vielen Jahren unterstützt das Land die naturnahe Umgestaltung des Kanals. Was in den 90er Jahren mit dem „Niersauenkonzept” begonnen hat, soll jetzt mit dem „Masterplan” fortgeführt werden. Denn geht es nach dem Zweckverband, dann werden künftig nicht nur entlang der Niers Renaturierungen durchgeführt, sondern auch an den Nebenflüsschen wie der Nette oder der Fleuth in Geldern, Issum oder Kervenheim.

Wunderbares Wasser

Dank der neuen Kläranlagen in Kerken-Nieukerk hat sich die Wasserqualität der Niers erheblich verbessert. Der Eintrag von chemischen Elementen wurde deutlich reduziert und liegt im grünen Bereich der europäischen Vorgaben. „Für die kommenden Jahre wird unser Hauptaugenmerk nicht mehr auf Kläranlagen liegen, sondern wir werden den ökologischen Zustand der Niers verbessern”, so Schitthelm. Zwar gebe es zwischen Mönchengladbach und Goch-Kessel wieder 25 verschiedene Fischarten, aber die Gewässerstruktur der Niers lasse noch zu wünschen übrig. Gerade mal sieben Kilometer des 104 Kilometer langen Flusses wurden naturnah gestaltet – der Rest ist ein eintöniger Kanal. „Wir werden die Niers sicherlich nicht auf der gesamten Länge renaturieren”, erklärt Projektleiter Bert Lanphen. Künftig wolle man punktuelle Eingriffe wagen – und den Rest der Natur überlassen.

Brennpunkt Grundwasser

Die nächsten Projekte stehen in Goch-Kessel, Kevelaer-Wetten und Mönchengladbach an. Immer wieder kämpft der Verband gegen die Widerstände aus der Landwirtschaft. Viele Bauern befürchten, dass durch einen veränderten Flusslauf auch die Grundwasserstände steigen. Das wiederum bedeutet, dass die Landwirte ihre Felder nur eingeschränkt nutzen können: „Sobald der leiseste Verdacht besteht, dass der Grundwasserspiegel sich erhöht, kann man mit der Landwirtschaft nicht mehr diskutieren”, so Schitthelm.

Eine Renaturierung der Niers und ihrer Nebenflüsse erfordere daher vor allem Überzeugungsarbeit: „Letztendlich können wir es nur gemeinsam lösen”, sagt der Vorstand.

Informationen im Internet: www.niersverband.de

6. September 2009

Auftakt für die Naturarena

Wesel

450 Quadratmeter schwarze Folie liegen auf dem Gelände im Bereich Auf dem Mars/Bislicher Straße. Zehn fleißige Helferinnen und Helfer des Naturschutzbundes (NABU) sind mit Spaten und Schubkarre angerückt, um Gregor Alms beim Ausgleichen der Erde und Auslegen der Teichfolie zur Hand zu gehen.

 

Doch hier soll kein neues Gewässer entstehen, sondern eine Feuchtwiese - ein Teil der Naturarena, die von der NABU-Kreisgruppe Wesel auf insgesamt 7200 Quadratmetern angelegt wird.

 „Anders als bei einem Teich werden beim Bau des Biotops keine Vliese verwendet. Hier wird die Folie erst mit der ausgehobenen Erde abgedeckt, dann kommt das Wasser”, erklärt Projektleiter Alms. Auf der Feuchtwiese, die mehrfach im Jahr unter Wasser stehen kann, sollen in Zukunft Pflanzen wie Mädesüß, Knabenkraut oder Kuckuckslichtnelke wachsen. „Wir möchten hier verschiedene Elemente der niederrheinischen Landschaft zeigen”, so Gregor Alms. „Ende des Jahres, spätestens im Frühjahr 2010, erwarten wir die ersten Besucher.”

Erste Bauabschnitte sind bereits fertiggestellt: vier Teiche (ein großer mit einer Wasserfläche von 500 Quadratmetern und drei kleinere) haben die ehrenamtlichen NABU-Helfer auf dem Grundstück angelegt. Weitere Anschauungsobjekte wie Trockenhügel, Kräuter- und Schmetterlingsgarten sowie ein zu einem Nistturm für Falken, Eulen und Fledermäuse umfunktioniertes Stromhäuschen sollen folgen. Die angrenzende, von der Stadt noch fremd verpachtete Streuobstwiese wird mit in die ökologische Informations- und Demonstrationsfläche integriert, die vor allem für Schulen und Kindergärten interessant sein wird.

Mehr als 60 000 Euro hat die NABU-Kreisgruppe Wesel bereits für die Naturarena zusammen bekommen, rund 40 000 Euro allein durch Firmensponsoring. „Da die Arena stetig erweitert werden soll, benötigen wir noch mindestens 50 000 Euro”, so Alms, der sich bereits seit sechs Jahren mit dem Projekt beschäftigt.

7. August 2009

Feinstaub - Projektgruppe in den Startlöchern

Dinslaken

Die letzten heißen Tage haben ein Problem wieder ans Tageslicht befördert, das manche schon ausgeblendet hatten: Feinstaub in der Dinslakener Innenstadt.

Das Sommerwetter seit dem Wochenbeginn hat die Werte der Messstation an der Wilhelm-Lantermann-Straße auf deutlich über 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft hochgetrieben. Gestern lag er zeitweise bei 43 Mikrogramm, am Dienstag bei 44 Mikrogramm; nachts wurden teilweise sogar höhere Werte erreicht. Zur Erinnerung: Der EU-Grenzwert für Feinstaub darf an einem Tag 50 Mikrogramm nicht überschreiten.

Trotz der Entspannung, die nach dem Austausch angeblich schadhaften Messgeräts eingetreten war, will man bei der Stadt, der Bezirksregierung und der Landesumweltbehörde („Lanuv”) die Sache nicht schleifen lassen. Für den 18. August ist in Düsseldorf die erste Sitzung einer Projektgruppe „Feinstaub Dinslaken” terminiert.

„Die zeitlichen Zwänge und der Druck sind weg, aber das ändert nichts am Engagement”, sagt Horst Dickhäuser, Pressesprecher der Stadt. Die Projektgruppe, in der neben der Stadt, der Bezirksregierung und dem Lanuv auch Vertreter der IHK, des Einzelhandelsverbandes, der Niag und von Umweltinitiativen sitzen werden, werden Experten des Landesumweltamtes ein Simulationsmodell der Schadstoff-Entwicklung in der Dinslakener City vorstellen. Dieses Modell wurde notwendig, nachdem die Umweltbehörde die unsicheren Messwerte des Jahres 2008 und teilweise des Jahresbeginns 2009 komplett annulliert hatte. Eingang in die Simulation finden auch detaillierte Verkehrszählungen in der Innenstadt. Zudem soll eine Prognose der weiteren Schadstoffentwicklung vorgelegt werden, auch unter Berücksichtigung des neuen Kraftwerksblocks 10 in Walsum, der im nächsten Jahr in Betrieb geht.

Beim ersten Treffen, dem weitere folgen, könnten sich die Beteiligten mit eigenen Vorstellungen und möglichen Schwerpunkten aktiv einbringen, so Dickhäuser. Am Ende der Projektarbeit könne ein – vielleicht abgespeckter – Luftreinhalteplan für Dinslaken stehen. Der werde dann der Öffentlichkeit präsentiert und sei schließlich von der Politik zu entscheiden.

3. August 2009

Infos zum Kohlehafen

Dinslaken

Voerde. Die Diskussion um den geplanten Kohlehafen hat die Fraktion der Grünen veranlasst, in einem Schreiben an Bürgermeister Leonhard Spitzer weitergehende Informationen dazu einzufordern.

Sie will etwa wissen, ob Voerde zum jetzigen Verfahrenszeitpunkt beteiligt ist, ob Teile von Möllen zusätzlich mit Staub- und Lärmbelästigungen betroffen sein werden und inwieweit sich die Verwaltung mit den Untersuchungen zur Versorgung des Standortes Voerde über benachbarte Häfen beschäftigt hat. Weil das Land NRW große Möglichkeiten für den Lippemündungsraum als Hinterlandseehafen sehe, werde der Hafen Emmelsum hier eine große Rolle spielen, sagen die Grünen. Sie befürchten „aus naturschutzrechtlicher Sicht” nachteilige Auswirkungen auf das vorhandene Gebiet. „Insbesondere, da der für den Südhafen benötigte Bereich für den Schutz der Landschaft und landschaftsorientierten Erholung ausgewiesen ist und im regionalen Grünzug liegt.” Auch halten sie es für schlecht vorstellbar, dass sich der Kohlehafen positiv auf die Konzeption auswirken wird, die im Zuge von „Voerde 2030” für die Rheindörfer als Ergebnis erarbeitet wurde.

31. Juli 2009

Nach Treffen mit Evonik "kein bisschen schlauer"

Dinslaken

Die Enttäuschung war den beiden Vorsitzenden der Bürgerinitiative Kohlehafen auch am Tag nach dem Gespräch noch anzumerken.

Heinz Ingensiep

Dinslaken / Voerde. Die Enttäuschung war den beiden Vorsitzenden der Bürgerinitiative Kohlehafen auch am Tag nach dem Gespräch mit Vertretern der Evonik Steag noch anzumerken: „Wir sind kein bisschen schlauer. Abgesehen von einem einstündigen Vortrag über das Unternehmen wurde uns nichts gesagt, was wir nicht schon wussten”, fasst der BI-Vorsitzender Matthias Stickel den Informationsgehalt des Treffens im Kraftwerk Voerde zusammen. „Wir haben mehr Transparenz und tiefergehende Informationen bei der Planung des Kohlehafens eingefordert”, ergänzt der stellvertretende Vorsitzende Ingo Kock-Wingenfeld. Am Ende des Gespräches sei ein „direkter Draht” zwischen Evonik und der Bürgerinitiative vereinbart worden.

Die Evonik-Vertreter hätten unterstrichen, dass ihre Hafen-Planungen „nach den rechtlichen Grundlagen” erfolgen und dass man „unter allen gesetzlichen Grenzwerten” bleibe. „Die am Hafen vorgesehene Kohlehalde wurde uns als 'schallschluckend' verkauft”, berichtet Stickel.

Wenige Wochen nach der Gründung der Initiative in Eppinghoven sind die Akteure schon ein wenig überrascht von ihrer Wirkung: „Es war eher Zufall und nicht unbedingt geplant, dass das so gut in den Kommunalwahlkampf passt”, betont Stickel. So wurde nicht nur die Aufmerksamkeit der Dinslakener Politik auf die eigentlich seit Jahren bekannte Problematik gelenkt. Auch der Zulauf von Mitstreitern ist ganz ansehnlich: „Wir haben bereits mehr als 60 Mitglieder. Die kommen nicht nur aus Dinslaken, sondern auch aus Voerde, Spellen und Walsum”, so Kock-Wingelfeld. Da vor allem die Anfragen aus Voerde zunähmen, plane man demnächst dort eine eigene Info-Veranstaltung.

Zudem soll in Kürze eine weitere Mitgliederversammlung abgehalten werden, um auch die vielen Neuen aufzuklären. Inzwischen hat die BI auch Kontakt zu einem Frankfurter Expertenbüro aufgenommen, um sich externen Sachverstandes zu versichern.http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/dinslaken.html

30. Juli 2009

Den Kohlehafen verhindern

Dinslaken (RP) Der Widerstand gegen den geplanten Kohlehafen der Evonik Steag wächst. Beim Ortstermin am Stapp wurde deutlich: Immer mehr Menschen wollen das Projekt verhindern. Einige Politiker haben sie auf ihrer Seite.

Dinslaken/Voerde Es war voll auf der Emscherbrücke. Radfahrer, die gestern Nachmittag das Nadelöhr Am Stapp passieren wollten, mussten absteigen und sich schiebend einen Weg durch die Menschenmenge bahnen. Weit über 100 Anwohner, Politiker und Naturschützer waren der Einladung von Petra Schmidt-Niersmann, Ratsfrau der Dinslakener Grünen und Gründungsmitglied der Bürgerinitiative Kohlehafen, gefolgt. Sie wollten hören, wie die Dinslakener Bürgermeisterkandidaten zum geplanten Kohlehafen stehen. Oder besser: wie man ihn verhindern kann.

Versorgung fürs Ruhrgebiet?

Da das Ganze nicht nur eine Info-, sondern zugleich Wahlkampfveranstaltung der Grünen war, schlug Bürgermeisterkandidatin Birgit Emmerich auf. "Wir können es uns nicht leisten, ein Naherholung- und Landschaftsschutzgebiet kaputt zu machen." Jede zusätzliche Feinstaubbelastung sei nicht hinnehmbar. Und Vorsicht: Hinter den Hafenplänen stecke die Idee, das Kraftwerk zu erweitern. Oliver Krischer, Experte für Energie der grünen Landtagsfraktion, ging weiter: "Hier soll die Infrastruktur für Kohlekraftwerke im gesamten Ruhrgebiet geschaffen werden." Kräftiger Applaus.

Auf den wartete SPD-Kandidat Dr. Michael Heidinger vergeblich. Das lag daran, dass er die Notwendigkeit des Hafens nicht grundsätzlich in Frage stellte. Das Kraftwerk sei auf Kohle angewiesen, müsse somit beliefert werden. Alle alternativen Standorte für einen Kohlehafen würden einen noch stärkeren Eingriff in die Natur bedeuten. Nun müsse man prüfen, wie die zu erwartende Staubbelastung sich auf ein Mindestmaß reduzieren lasse.

CDU-Kandidat Heinz Wansing hält den Eingriff in die Natur für unverhältnismäßig hoch. Wenn dies der einzige Weg sei, den Kraftwerkstandort zu versorgen, sei es der falsche. Es gebe andere Lösungen, wie etwa Emmelsum, die verträglicher seien.

Die Bürgerinitiative Kohlehafen finden Sie hier.

28. Juli 2009

Kohlehafen-Pläne: Auslegungsfrist läuft länger

Dinslaken

Anregungen und Kritik bis 25. Oktober möglich.

Dinslaken/Voerde. Betroffene Anwohner des von Evonik Steag im Süden von Voerde geplanten Kohlehafens bekommen mehr Zeit, um Anregungen und Bedenken zum oder gegen das Projekt vorzubringen. Denn: Die Frist für die öffentliche Auslegung der 66. Änderung des Regionalplanes für den Regierungsbezirk Düsseldorf (Gebietsentwicklungsplan 99) ist bis zum 25. Oktober verlängert.

Die Bürgerinitiative Kohlehafen hatte die Aufsichtsbehörde darüber informiert, dass der Auslegungszeitraum fehlerhaft angesetzt worden sei: nur zwei Monate statt der vom Regionalrat beschlossenen Verlängerung auf drei Monate. Die Bezirksregierung teilte der BI telefonisch mit, dass der Auslegungszeitraum berichtigt werde. Die Korrektur werde mit dem nächsten Amtsblatt erfolgen.

26. Juli 2009

Lkw-Tank verursacht Ölfilm auf Lippe

Schermbeck

Die alarmierten Löschzüge aus Gahlen und Altschermbeck fanden zwischen Alter Fähr- und Maassenstraße einen mit Diesel gefüllten Lkw-Tank und bargen ihn mit Hilfe eines Landwirts aus dem Wasser.

Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hat ein noch unbekannter Täter den rund 200 Liter fassenden Tank illegal in der Lippe entsorgt. Kraftstoffreste wurden in den Fluss gespült und verursachten den Ölfilm. Die Wehr stoppte eine weitere Verschmutzung des Flusses.

Die zuständigen Dienststellen (Untere Wasserbehörde, Ordnungsamt, Feuerwehr) wurden informiert. Die Beamten erstatteten Strafanzeige. Die Ermittlungen dauern an.

22. Juli 2009

Für Natur sensibilisieren

Wesel

Die Bildungswerkstatt ist das neueste NABU-Projekt. Gestern gab's Informationen für den Landratskandidaten Hubert Kück.

Wenn's um die Belange der Natur geht, stehen die Verantwortlichen des Naturschutzbundes Deutschland, kurz NABU, in vorderster Reihe. Der Kreisverband Wesel macht da keine Ausnahme, ist mit seinen rund 4500 Mitgliedern sogar die stärkste Verbandsgruppe in Nordrhein-Westfalen. Das neueste Projekt, die Bildungswerkstatt, geht nach den Sommerferien in die entscheidende Phase. Gestern informierte sich Hubert Kück, Landratskandidat von Bündnis 90/Die Grünen, über den Stand der Dinge und stellte sich den Fragen der NABU-Verantwortlichen.

Kindertagesstätten und Familienzentren

Seit 30 Jahren steht der Naturschutzbund für das frühzeitige Heranführen von Kindern an die Natur, betonte Vorstandsmitglied Winfried Ricken gestern. 19 Kinder- und Jugendgruppen mit mehr als 300 Teilnehmern sind dafür ein guter Beleg. Die bereits in die Realisierung gegangene „Naturarena auf dem Mars” in Bislich ist eines der beiden aktuellen Projekte. Das zweite Konzept hat die NABU-Bildungswerkstatt zum Inhalt. Diese hat zum Ziel, Kinder (ab drei Jahren) und Familien für die Natur vor der Haustüre zu sensibilisieren und die Naturerfahrungen zu verstärken. Deshalb werden Kindertagesstätten und Familienzentren im Kreis Wesel Exkursionen und Vorträge angeboten. Und zwar kostenlos.

Sowohl die ehrenamtlichen Mitglieder der Organisation als auch Umweltpädagogen bieten diese Veranstaltungen an, erläuterte Winfried Ricken das Konzept. Das hatte der NABU den Grünen im Kreistag schon einmal erläutert - mit Erfolg, wie Landratskandidat Kück versicherte. Die Bewilligung der 24 000 Euro Fördermittel (die Zahlung ist auf vier Jahre verteilt) sei darum auch ganz bewusst von seiner Fraktion unterstützt worden. In diesem Projekt sieht Kück auch ein wesentliches Ziel seiner Politik: „Schöpfung bewahren, indem die natürlichen Lebensgrundlagen und der Erhalt der Arten in den Vordergrund gestellt werden.” Naturschutz allein unter dem Blickwinkel des Tourismus lehne er aber ab, so der Kandidat, der mit dieser Bermerkung Richtung FDP zielte. Deren Vertretern gehe es um wirtschaftliche Vermarktung. Mit ihm aber sei ein Verramschen von Natur nicht zu machen.

Im nächsten Schritt werden Kooperationsvereinbarungen mit interessierten Kindertagesstätten und Familienzentren abgeschlossen, erläuterte Helga Westerhuis vom NABU. Bis zu 62 Veranstaltungen sollen es pro Jahr im „Endausbau” des Projektes sein. Da das Angebot dieser besonderen Erlebnispädagogik nicht alle Einrichtungen im Kreis wahrnehmen können, denkt man in der Geschäftsstelle in Wesel über die Form der Vergabe nach. Zunächst einmal wolle man dafür sorgen, dass in jeder Kommune eine Einrichtung zum Zuge kommen kann.

Ehrenamtsfond erhalten

Das traditionell gute Verhältnis der Grünen zum Naturschutzbund betonte Kandidat Kück und erinnerte daran, dass einer der ersten sachkundigen Bürger für die Fraktion 1984 ein NABU-Mitglied gewesen sei. Ein Versprechen musste Hubert Kück Geschäftsführer Franz-Wilhelm Ingenhorst geben: Der Ehrenamtsfond des Kreises soll erhalten bleiben, auch in Zeiten knapper Kassen. Ohne Ehrenamtler geht nichts, konnte der Weseler nur bestätigen und versprach Unterstützung.

21. Juli 2009

In Alpen geht die Sonne auf

Rheinberg, 21.07.2009, Ulrich WEFERS

Die Volksbank Niederrhein und die Gemeinde Alpen haben eine Bürger-Photovoltaik-Genossenschaft gegründet.

Mögen Großkonzerne in der Sahara riesige Kraftwerke planen, bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. In Alpen dagegen geht jetzt schon die Sonne auf. Alpen-Sonne eG heißt die erste Bürgergenossenschaft im Kreis Wesel, die mit Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden umweltfreundlichen Strom erzeugen will. Gestern unterschrieben die ersten Mitglieder die Gründungsurkunde im Alpener Verwaltungssitz der Volksbank Niederrhein.

Die Idee dazu, so Bürgermeister Thomas Ahls, sei quasi an der Theke geboren. Volksbank-Vorstand Thomas Giessing habe ihn darauf am Rande einer Veranstaltung angesprochen. „Da sind wir und der Gemeinderat sofort drauf angesprungen.” Denn schon im vergangenen Jahr habe man auf Anregung der Grünen versucht, mehr Möglichkeiten für Alpen für die Nutzung regenerativer Energien aufzutun. „Das Problem ist, man braucht Kapital.” Das ist jetzt vorhanden. 900 000 Euro wird Alpen-Sonne in den nächsten Monaten investieren. Was Volksbank-Vorstandvorsitzenden Guido Lohmann auch angesichts der Bankenschelte einiger Politiker mit Stolz erfüllt: „Damit wird im 125. Jahr unseres Bestehens deutlich, dass wir als Kreditgenossenschaft dem harten Wettbewerb und schwierigen Zeiten erfolgreich trotzen können.”

Nach drei Monaten der Planung geht es nun an die Umsetzung, wobei weitere Anteilseigner gesucht werden. „Wer bislang in Solarstrom investieren wollte, musste zumindest eine eigene Dachfläche haben”, sagt Volksbank-Vorstandsvorsitzender Guido Lohmann. Die Alpen-Sonne eG mache dagegen als Bürgergenossenschaft auch demjenigen den Weg frei, der mit weniger finanziellem Aufwand beziehungsweise ohne geeigneten Photovoltaik-Standort umweltfreundlich Energie erzeugen wolle.

Von den 900 000 Euro sollen zunächst drei Photovoltaik-Anlagen am Schulzentrum, auf der Großraumturnhalle und auf dem Dach der Volksbank errichtet werden. 3000 Quadratmeter Dachfläche werden bestückt, 230 000 Kilowattstunden werden jährlich produziert. „Das ist soviel wie 65 Vier-Personen-Haushalte an Strom verbrauchen”, sagt Ansgar Pell, der mit seinem Volksbank-Kollegen Markus Hermsen dem ehrenamtlichen Vorstand angehört. Die Genossenschaft wird von den Mitgliedern kontrolliert – u.a. bei der Generalversammlung, auf der auch über die Verwendung es Gewinns entschieden wird – und außerdem vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband überprüft. Dem Aufsichtsrat gehören Thomas Ahls, Guido Lohmann und Thomas Giessing an.

Mitglieder der Bürgergenossenschaft kann werden, wer mindestens fünf Anteile an der Alpen-Sonne eG zeichnet. dabei steht ein Anteil für 100 Euro. Voraussichtlich ab Herbst wird die Volksbank in ihren 19 Filialen die Genossenschaftsanteile zum Kauf anbieten. „Nicht nur Alpener, jeder der mitmacht, ist willkommen”, so Lohmann, der betont, dass man mit dem Verkauf der Anteile kein Geld verdienen wolle. Jeder Euro fließe direkt in das Kapital der Bürgergenossenschaft. Rund ein Drittel der Investitionskosten will das neue Gemeinschaftsunternehmen über Einlagen der Teilhaber hereinholen. Günstige Kredite der Kfw-Bank sollen für eine solide Finanzierung sorgen. Anteile zu zeichnen lohnt sich. Markus Hermsen: „Ich gehe davon aus, dass wir über die gesamte Laufzeit von 20 Jahren eine Dividende von rund vier Prozent an die Mitglieder ausschütten können.”

 

21. Juli 2009

BI Kohlehafen - Gespräch im Rathaus

Dinslaken. „Miteinander sprechen ist immer besser als voneinander lesen.“ mit diesen Worten begrüßte Dinslakens Bürgermeisterin Sabine Weiss eine Abordnung der neu gegründeten Bürgerinitiative Kohlehafen im Rathaus. In der letzten Woche hatte sie die Einladung ausgesprochen, die BIK-Sprecher Matthias Stickel und sein Vertreter Ingo Kock-Wingenfeld gerne folgten. Mit dabei war BUND-Vertreterin Petra Schmidt-Niersmann sowie Marianne Wagemann, die direkt gewählte Stadtverordnete für den Bezirk Eppinghoven. Von städtischer Seite nahmen Planungsamtsleiter Karl-Heinz Rudorf, Rechtsamtsleiterin Christiane Seltmann und DINAMIT-Geschäftsführerin Silke Pollack an dem Treffen teil. Ziel der Bürgermeisterin war es, die handelnden Personen miteinander bekannt zu machen und so den Grundstein dafür zu legen, dass die anstehenden Verfahrensschritte in einem Klima des gegenseitigen Vertrauens und einer größtmögliche Transparenz gegangen werden können. „Damit haben wir bei den Themen Auskiesung, Betuwe-Linie und Trinkwasser gute Erfahrungen gemacht“, erläuterte die Bürgermeisterin ihr Vorgehen, „und das soll auch bei der Diskussion um den Kohlehafen an der Stadtgrenze möglich werden.“

Vereinbart wurde der direkte Draht zwischen der Bürgerinitiative und dem Planungsamt, außerdem entsprach DINAMIT-Geschäftsführerin Silke Pollack dem Wunsch der Bürgerinitiative, die auf den DIN-Tagen einen Informationstand zum Thema aufbauen wollen.

20. Juli 2009

Unscheinbare Schönheit

Xanten, 20.07.2009, Peter Bußmann

Bei einem Rungang über die Bislicher Insel gibt es viele seltene Pflanzen zu entdecken.

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Ganz unscheinbar sah sie aus, die winzige kleine Pflanze. Höchstens zwanzig Zentimeter groß war sie, eine Vielzahl winziger Blüten, von außen in unverfänglichem Grün, reichten rund um den Stiel. Unbeachtet hatte Biologe Friedhelm Keil auf dem einzigen langen Weg über die Bislicher Insel seinen Fuß neben sie gesetzt, um eine ganz andere Pflanze zu erklären. So unauffällig stand sie in dem wild wuchernden Gras, das sie fast verdeckte.

Gerade hatte Keil das gelb blühende Jakobskreuzkraut erklärt, das daneben aufragte. Erklärte, dass die gelbe Pflanze derzeit Schlagzeilen mache, weil sie sich stark ausbreite und für Kühe giftig sei. Erzählte, dass Landwirte sie mit Stumpf und Stiel entfernten, mit Bioziden vergiftete. „Hier auf der Bislicher Insel darf sie ruhig bleiben.”

Da hatte einer der Teilnehmer der Botanischen Wanderung, die der Wuppertaler Diplom-Biologe in Kooperation mit der Biologischen Station des Kreises Wesel über die Bislicher Insel führte, neben seinem Fuß die kleine Pflanze entdeckt. „Eine Orchidee”, strahlte Keil, hatte die seltene Kostbarkeit, die aus der Vogelperspektive so unscheinbar aussah, dass sie am Wegrand unbeachtet blieb, hier noch gar nicht erwartet. Ein ehrfuchtsvolles Staunen ging durch die 22 wissbegierigen Wanderer.

Die Orchidee, breitblättriger Sumpfwurz oder breitblättriger Stendelwurz genannt, sei gar nicht mehr so selten, erklärte Keil. „Sie steht nicht mehr auf der Roten Liste, bleibt aber wie alle anderen Orchideen streng geschützt.” Fast wäre sie, jede einzelne Blüte gerade mal wenige Millimeter groß und unauffällig im gleichen Grün wie die Umgebung, übersehen worden.

Das war ein stiller Höhepunkt der Botanischen Beobachtungen, die der in Sonsbeck und Xanten aufgewachsene, heute in Wuppertal lebende selbständige Diplom-Biologe bis Herbst einmal monatlich auf der Bislicher Insel für Naturbegeisterte führt. „Zwei Stunden lang werden wir uns einzelne Pflanzenarten genauer anschauen, die gerade auffällig blühen”, begrüßte er die wetterfest gekleideten Wanderer, die vom Niederrhein und dem Ruhrgebiet angereist waren.

Eine kleine Entdeckungsreise war es Samstagmorgen. Einige waren mit Fotoapparaten bewaffnet, um die blühenden Wunder der Natur im Bild festzuhalten, andere hatten Block und Stift dabei, machten sich fleißig Notizen. Auffällig: Obwohl mitten in den Sommerferien, fehlte die Jugend gänzlich.

„Die ungeheure Landschaftsvielfalt macht das Gebiet der Bislicher Insel so wertvoll”, führte Keil in die zweistündige Wanderung ein. „Wer hier ein bisschen die Augen aufhält, kann zu jeder Zeit Neues entdecken.”

Diesmal waren es die blühenden Pflanzen, die blau blühende Vogelwicke, die Mehlbeere, Robinie oder die Wegwarte, auch Zichorie genannt. Aus deren Wurzeln, so erzählte Keil, machte seine Oma nach dem Krieg Kaffeeersatz.

Im September widmet der Biologe sich dann den Früchten und Samen. „Vielfalt wie im Feinkost-Laden?” Im Oktober heißt es dann „Blüht noch etwas? Finden wir Früchte, die noch kein Tier gefressen hat?” Zu wissenschaftlich wurde es Samstag jedenfalls nicht. Recht kurzweilig und interessant war die Wanderung bei zum Glück trockenem Wetter.

18. Juli 2009

Der Kohlehafen interessierte viele

Die erste Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative gegen das Vorhaben der Evonik Steag fand jetzt statt. Der kleine Saal im Landgasthaus Freesmann platzte aus allen Nähten.

Dinslaken, Bettina Schack

Dinslaken. Der kleine Saal im Landgasthaus Freesmann platzte aus allen Nähten, der Informationsbedarf in Eppinghoven war groß: Die Evonik Steag, deren Kohlekraftwerk seit knapp 40 Jahren aus wenigen Kilometern Entfernung Dorf und Rheinaue überragt, plant einen Kohlehafen bis 300 Meter an die Grenze des Dorfes zu setzen. Vor knapp zwei Wochen gründete sich eine Bürgerinitiative gegen dieses Vorhaben, jetzt lud die BI Kohlehafen (BIK) zu ihrer ersten öffentlichen Informationsveranstaltung ein.

Die Initiative präsentierte Zahlen, die Bürger diskutierten über mögliche Vorgehensweisen und anwesende Politiker nutzten die Gelegenheit zum Wahlkampf. Grundtenor: Wir haben nichts gewusst, nichts erfahren und waren schon immer dagegen. Doch vielleicht kommen gerade die Kommunalwahlen dem Interesse der Bürgerbewegung entgegen. Bis Ende September liegt die für den Kohlehafen nötige Regionalplanänderung bei der Bezirksregierung aus. In dieser Zeit können Einwände vorgebracht werden. Individuell von den Bürgern, gesammelt oder per Ratsbeschluss von den Kommunen formuliert.

Finden die Einwände keine Beachtung, wird vom Regionalverband Ruhr das Genehmigungsverfahren eröffnet.

Doch was ist überhaupt von der Evonik geplant? BIK-Vorstand Matthias Stickel und seine Mitstreiter haben Vorlagen ausgewertet, Fotomontagen erstellt, nachgerechnet. Ausgerechnet dabei sind sie auf die größte Unbekannte im Projekt gestoßen.

Offenes Kohlelager neben Biotop

Der geplante Südhafen mit einem offenen Kohlelager soll sich auf der Fläche zwischen Rhein, Rotbachmündung, Frankfurter Straße und neuer Emschermündung erstrecken. Ein Naherholungs-, aber kein Naturschutzgebiet, so besagt es der Text der 66. Regionalplanänderung. Es sei Ackerland, das durch das offene Kohlelager ersetzt würde. „Ohne die geplante Änderung des Regionalplans (...) würden die landwirtschaftliche Bewirtschaftung (...) sowie der damit verbundene Eintrag von Düngemitteln und Bioziden in den Boden auf Dauer fortgesetzt.” Unbeachtet bleibt der Plan der Emschergenossenschaft, die Emscher zu renaturalisieren. Ohne den Kohlehafen wäre die Ackerfläche als neuer Mündungsbereich Biotop geworden. Nach bereits 2007 favorisierten Plänen werden nun renaturierte Emschermündung und Hafen mit offenem Kohlelager Seite an Seite realisiert.

Der Traum vom erweiterten Naturschutzgebiet an der Grenze zu Eppinghoven scheint nun von einem Alptraum für die Bürger überlagert zu werden: Eine Fotomontage zeigt eine 20 Meter hohe Kohlenhalde, überragt von 45 Meter hohen Kränen. Das Ganze in einem Frischluftaustauschgebiet, aber angeblich ohne Folgen für die Anwohner. Eine Skizze der Evonik zeigt, wie die Feinstaubbelastung durch die offen gelagerte Kohle direkt an der Stadtgrenze zu Dinslaken halt macht. Die Staubentwicklung soll direkt auf dem Gelände durch geeignete Maßnahmen begrenzt werden, so das Unternehmen. Und auch die Schallemission bliebe weit unter den Grenzwerten.

Kapazität überdimensioniert?

Beides zieht die Bürgerinitiative in Zweifel. Und rechnet. 31 250 Tonnen könnten im geplanten Hafen täglich umgeschlagen werden. Gearbeitet werden soll an fünf Tagen der Woche, ein sechster ist möglich. Damit reiche die Kapazität des Hafens für eine Umschlagsmenge von rund neun Millionen Tonnen Kohle. Das Kraftwerk selbst verbraucht bislang 3,5 Millionen Tonnen pro Jahr. „Der Kohlehafen ist die Achillesverse für alle Kohlekraftwerke der Zukunft”, warb Wilfried Mohr, Vorstand der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Walsum, für die Vernetzung aller Initiativen gegen Kohlekraftwerke bei Freesmann. Dort wurde offen gemunkelt, dass der Kohlehafen in Voerde dazu dienen könnte, zwei weitere eventuell geplante Kraftwerke in Walsum mit zu versorgen. Und dies wiederum mit Auswirkungen auf Eppinghoven: Der Stadtteil würde durch den Güterverkehr per Bahn weiterhin belastet.

16. Juli 2009

Dinslaken auf dem Weg zur Fairtrade Stadt

Der Rat hat es auf seiner letzten Sitzung beschlossen: Dinslaken macht sich auf den Weg zur „Fairtrade Town“. Ziel dieser weltweiten Kampagne ist es, den fairen Handel zu unterstützen und damit einen Beitrag zu einer gerechteren Weltwirtschaftsordnung zu leisten. 380 Städte haben die begehrte Auszeichnung mittlerweile erreicht, darunter London, Kopenhagen, Brüssel und bald auch Dinslaken.

Fünf Bedingungen

Damit Dinslaken Fairtrade Stadt werden kann, müssen fünf Bedingungen erfüllt werden. Zunächst einmal muss der politische Wille deutlich sein. Diese erste Hürde ist mit dem Beschluss des Stadtrates bereits genommen. Dann müssen fair gehandelte Produkte im normalen Verwaltungsalltag vorkommen. Auch dies wird bereits erfüllt, denn im Rathaus wird schon seit sechs Jahren nur der DIN-Kaffee ausgeschenkt. Fair gehandelter Tee wird das Angebot ab sofort ergänzen. Weiter wird eine Steuerungsgruppe gefordert, die die Kampagne mit wachsamen Augen begleitet. Auch dieses ist bereits seit Jahren der Fall. Fair gehandelte Waren sollen allerdings nicht nur ein Dasein in der „engagierten Nische“ fristen. Mindestens 15 Geschäfte muss Dinslaken vorweisen können, in denen sie angeboten werden. Ohne große Mühe ermittelte AGENDA-Beauftragte Lucie-Maria Rodemann auf Anhieb mehr als die doppelte Anzahl. Dazu kommen mindestens acht Cafés und Restaurants, die ihren Gästen eine Auswahl aus fairem Handel anbieten, auch hier ist Dinslaken gut im Rennen. Die vierte Bedingung fordert, dass sich mindestens eine Schule, eine Kirchengemeinde und ein Verein in der Stadt für den Fairen Handel einsetzen. In Dinslaken sind es gleich mehrere Schulen und Gemeinden, und die Eine Welt Gruppe Dinslaken e.V. kann im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Als letztes ist die Information der Bürgerinnen und Bürger gefordert. Mindestens viermal im Jahr sollen die örtlichen Medien über Aspekte des fairen Handels und des weltweiten Engagements berichten. Aufmerksame Zeitungsleser wissen: Auch hier ist Dinslaken am Ball.

„Alle Signale stehen auf Grün.“, schätzt Lucie-Maria Rodemann und geht davon aus, dass Dinslaken schon bald als Stadt des fairen Handels anerkannt wird.

Wem ein Licht aufgeht

Xanten

In Borth steht vorübergehend eine Solarlaterne. Der Klimatisch wirbt damit für den Klimaschutz.

Es ist regnerisch und diesig rund um den Borther Marktplatz. Nicht dunkel genug, um den Platz von einer Laterne erleuchten zu lassen, jedoch hell genug, damit diese überhaupt Licht liefern kann. Wie das geht? Es handelt sich bei dem sechs Meter hohen Koloss um eine Solarlaterne, die der Klimatisch für einige Wochen in die Stadt geholt hat. „Trotz des tristen Wetters arbeitet die Speichereinheit”, erklärt Heinz Göddemeier. Der Diplom-Ingenieur aus Alpen macht sich für den Einsatz solcher Leuchten stark.

Die Geräte - eine Holländische Firma vertreibt sie - haben schon auf den ersten Blick wenig mit den Standardleuchten gemein. Unterhalb der Solarpanels ist die Lampe mit modernster LED-Technik angebracht. Speichereinheit und Steuergerät befinden sich unterirdisch. „Die Laterne leuchtet einen Radius von 15 Metern problemlos aus”, sagt der Experte. Das entspreche etwa dem Wert der Exemplare, die wenige Meter entfernt auf der Borther Straße stehen.

Vorteile über Vorteile zählt Göddemeier auf. „Sie benötigen keinerlei Kabel, die Straße muss nicht aufgerissen werden.” Zudem würde sich die Anlage selbst mit Strom versorgen. Leistungsstarke Speicher sowie LED's und Steuergeräte neuester Generation würden dafür sorgen, dass die Laterne beinahe überall aufgestellt werden kann. „Schwierig wird es nur, wenn etwa große Gebäude im Weg stehen, die die Sonne nicht durchlassen.” Am Borther Marktplatz funktioniert die Anlage tadellos.

Die Borther Leuchte ist ein Einzelstück, 2700 Euro teuer. Zum Vergleich: Die Lampe einfacher Bauart auf dem benachbarten Kirchengrundstück kostet gerade einmal 500 Euro. Die Solarlaternen würden sich jedoch bezahlt machen”, sagt Göddemeier.

In Neubaugebieten oder auch auf Landstraßen oder an unbeleuchteten Bushaltestellen kann sich der 53-Jährige solche Leuchten durchaus vorstellen. Bestehende Laternen im Stadtgebiet könne man mit den stromsparenden LED-Köpfen nachrüsten, da Kabel dort im Boden liegen würden. Der sogenannte „Klimatisch” (Informationen siehe Box unten) hat sich vorgenommen, das Projekt Solarlaterne in der Stadt voranzutreiben. Schließlich gelte es, CO2 zu sparen und die Umwelt zu schonen.

Wie sieht Rheinberg in fünf Jahren aus? „Ich denke, dass viele Unternehmen dann bereits Photovoltaikanlagen haben. Die Anschaffung von Solarlaternen sei immer auch eine Frage der Finanzlage der jeweiligen Stadt.

Heinz Göddemeier hat bis dahin auch noch eine persönliche Aufgabe in Sachen Klimaschutz zu erledigen. Fährt er doch einen 18 Jahre alten Opel Senator, der reichlich Sprit frisst. Mit einem klimasparenden Auto sollte er mit gutem Beispiel voran gehen. . .

10. Juli 2009

Caritas und Metallwerk machen mit bei Ökoprofit

Dinslaken

Landrat Dr. Ansgar Müller gab dazu im Landhotel Voshövel den Startschuss.

Dinslaken. Der Caritasverband für die Dekanate Dinslaken und Wesel und das Metallwerk Dinslaken sind zwei von zehn Unternehmen im Kreis Wesel, die sich am zweiten kreisweiten Okoprofit-Projekt beteiligen. Dazu gab Landrat Dr. Ansgar Müller vorgestern im Landhotel Voshövel den Startschuss.

Das Motto: „Energisch Energie sparen” wollen die Unternehmen innerhalb des nächsten Jahres umsetzen. Dazu werden sie mit dem Hammer Beratungsbüro B.A.U.M. Consult ihren Ressourcenverbrauch analysieren und Maßnahmen zur Reduzierung der Ressourcenveschwendung einleiten. Das spart Betriebskosten und entlastet die Umwelt.

Ökoprofit steht für „Ökologisches Projekt für integrierte Umwelttechnik. 80 solcher vom Land und den Kommunen geförderte Projekte sind bislang in NRW umgesetzt worden. Organisatorisch begleiten die Städte Rheinberg und Hamminkeln sowie die Wirtschaftsförderung des Kreises Wesel Ökoprofit.

 

9. Juli 2009

Die Grünen wollen mehr Messwerte

Dinslaken

Dinslaken. „Ihre Werte sind super!”, würde jeder Arzt der Patientin Dinslaken sagen. Tatsächlich: Seitdem in der Messstation an der Wilhelm-Lantermann-Straße das Innenleben zum Teil ausgetauscht wurde, gab es beim Feinstaub keinen einzigen Überschreitungstag mehr.

An drei Tagen, vom 4. bis 6. Juli, gab es nicht einmal Messwerte, zumindest keine, die im Internet aufgezeigt wurden. Unter anderem das veranlasste jetzt Bündnis 90/ Die Grünen, schriftlich bei der Bürgermeisterin und der Landesumweltbehörde (Lanuv) vorstellig zu werden. „Wenn im August der Arbeitskreis bei der Bezirksregierung zum ersten Mal einberufen wird, sind kontinuierliche Messergebnisse die grundlegende Voraussetzuntg für die Beurteilung der Luftqualität bei uns in Dinslaken”, so die Bürgermeisterkandidatin der Grünen, Birgit Emmerich.

Emmerich kritisiert zudem, dass in Dinslaken – im Gegensatz zu Walsum – nicht das volle Messprogramm gefahren wird. So fehlten auch die Ozon-Werte. Für sie sei ganz wichtig, dass ein Luftreinhalteplan für Dinslaken aufgestellt werde, der alle relevanten Schadstoffe erfasse. ingens

30. Juni 2009

Duisburg - Zukunft statt Kohle

CDU und Grüne wollen in Hochfeld ein altes Kohle-Heizkraftwerk der Stadtwerke durch Wind- und Solarkrafttechnik ersetzen.

Paukenschlag zum Schluss der gemeinsamen Regierungszeit von Schwarz-Grün: Das in die Jahre gekommene Heizkraftwerk II/B der Stadtwerke in Hochfeld soll nach dem Willen von Bündnisgrünen und CDU in drei Jahren nicht wieder durch ein traditionelles Kohlekraftwerk, sondern durch Solar- bzw. Windkraftanlagen ersetzt werden. Schon morgen wollen die beiden Fraktionen mit Unterstützung der Linken in einer Sondersitzung des Umweltausschusses des Rates einen entsprechenden Antrag und damit einen spürbaren Richtungswechsel in der städtischen Energiepolitik vollziehen.

Der Antrag ist Teil eines gemeinsamen „Dualen Klimakonzeptes” von CDU und Grünen, mit dem die Stadt sowohl bei der Erzeugung wie auch der Verwendung von Energie auf mehr regenerative Energie, auf Erhöhung der Effizienz und Verrringerung des CO2-Ausstoßes verpflichtet werden soll.

Teil dieses Rahmenplanes, so erläuterten gestern Grünen-Fraktionssprecher Dieter Kantel und Bürgermeisterin Doris Janicki nicht ohne Stolz vor der Presse, sei es, das ältere der beiden Hochfelder Heizkraftwerke, das im Jahr 2012 wohl sein technisches Ende erreicht haben wird, „in gleicher finanzieller Höhe und elektrischer Leistung durch regenerative Energien” zu ersetzen. Auf Deutsch: Die 400 Mio. Euro, die für das Nachfolge-Modell des alten Kraftwerkes, mit einer Leistung von 140 Megawatt ausgegeben werden müssten, sollten – theoretisch betrachtet – dann für 400 Windkraftanlagen oder für einen Quadrat-Kilometer Solarzellen aufgebracht werden.

In der Praxis, so Kantel, werde es aber ein ganzer Mix aus erneuerbarer Energie sein, wie zum Beispiel Solarkraft, Wind, Biomasse und Wasserkraft; eben weil auf dem Stadtgebiet schwerlich 400 Windkraftanlagen bzw. tatsächlich ein ganzer Quadratkilomter Solarfläche unterzubringen wären.

Kantel und Janicki zeigten sich gestern hell begeistert, dass es ihnen mit der CDU-Fraktion gelungen sei, sich auf dieses ehrgeizige Ziel politisch zu verständigen. Janicki: „Eine echte Sensation, die wir vor fünf Jahren nicht gewagt hätten, in den gemeinsamen Kooperationsvertrag mit der CDU zu schreiben.”

Die Christdemokraten hätten sich diesem Thema aber jetzt keineswegs verschlossen. Die neue Lösung, so Kantel, hätte zudem den Vorteil, dass sie klimaneutral elektrische Energie und gegebenenfalls auch Wärme erzeuge und eine deutliche Reduzierung der Schadstoffbelastung auch für Duisburg bewirke.

Helmut schoofs, Sprecher der Stadtwerke, erinnerte gestern indessen gegenüber der NRZ noch einmal daran, dass wegen der Sicherstellung der Daseinsvorsorge für Strom und Wärme der Austausch des betagten Hochfelder Kraftwerksblocks schon seit geraumer Zeit am Kraftwerk-Standort in Wanheim in Form eines modernen Gas-Dampf-Kraftwerkes in Planung sei. Quelle: DerWesten

23. Juni 2009

Initiative kämpft für einen Kreis Wesel ohne Gentechnik

Wesel

Wesel. Die Initiative "Gentechnikfreier Kreis Wesel" will Verbraucher und Landwirte sensibilisieren, damit die Felder und Gärten in der Region auch künftig gentechnikfrei bleiben. Ein erster Schritt ist getan: Auf den 95 Hektar Land, die dem Kreis gehören, sind Genpflanzen bereits verboten.

„Gentechnik bedroht unsere Lebensmittel und unsere Ernährung.” Bärbel Höhn bringt es auf den Punkt, weshalb das Thema für viele Verbraucher ein bedeutendes sein müsste. Aber eben noch nicht ist. Deshalb sind sie Montagsabend auf dem Neuhollandshof in Bislich zusammengekommen, die Aktiven der Initiative „Gentechnikfreier Kreis Wesel”, um die Menschen zu sensiblisieren. Ziel des Bündnisses, in dem sich Kreis-Grüne, Imker, Ökolandwirte, sowie die Naturschutzverbände BUND und NABU zusammengeschlossen haben, ist es, die Kreis-Kommunen aber auch Privatleute zu animieren, sich für ein flächendeckendes Verbot der Gentechnik einzusetzen.

Erst ein Anfang

Mitte März hatte der Kreistag nach einem erneuten Antrag der Bündnisgrünen beschlossen, auf den 95 Hektar Land, die der Kreis besitzt, gentechnisch behandelte Pflanzen zu verbieten. Dies sei ein Anfang, so der grüne Landratskandidat Hubert Kück, aber noch nicht genug. Noch mehr Grundstückseigentümer müssten sich der Initiative anschließen. „Jeder kann dazu beitragen der einen kleinen Garten hat”, so Thea Clostermann vom Neuhollandshof. Die Apfelbauern aus Bislich informieren etwa bei Führungen über die Risiken, die gentechnisch veränderte Lebensmittel bergen und werben bei Kunden und Besuchern dafür, auf den Einsatz veränderter Pflanzen zu verzichten.

Aber auch die großen Grundstücksbesitzer, Kirchen und Landwirte, möchte man mit ins Boot holen, damit der Kreis Wesel auch künftig gentechnikfrei bleibt. „Der Bauernverband muss sich positionieren”, sagt Christian Winterberg vom Kreisvorstand der Grünen insbesondere in Richtung Kreislandwirt Wilhelm Neu. „Wir müssen ihm abverlangen, dass er nicht das tut, was Großagrarier erwarten”, so Kück weiter.

 

Es gibt keinen Weg zurück

Er und die ehemalige NRW-Umweltministerin sehen massive Probleme durch die Gentechnik auf die Menschen zukommen: „Sie treibt Bauern in die Abhängigkeit von Konzernen und der Hunger in der Welt wird damit auch nicht beseitigt”, sagte Bärbel Höhn. „Gentechnik in der Landwirtschaft lässt sich nicht wieder zurückdrehen.”

Nach der Wahl des neuen Kreistags wollen die Bündnisgrünen sich deshalb dafür einsetzen, dass der Kreis auf die Kommunen einwirkt, dass diese sich ebenfalls gegen Gentechnik in der Landwirtschaft einsetzen. Und auch die Entwicklungsagentur des Kreises möchte man für die Aktion begeistern. „Denn so ein Markenzeichen „Gentechnikfreier Kreis” ist sicherlich auch ein positives Signal für den Tourismus”, denkt sich Kück.

Mitmachen

Bienen spielen bei der Verbreitung gentechnisch bearbeiteten Saatguts eine entscheidende Rolle. Für sie macht es keinen Unterschied, ob eine Pflanze genetisch verändert ist oder nicht. Ohne Bienen geht es aber nicht. 80 bis 90 Prozent der Wildpflanzen werden durch sie bestäubt.

Bisher haben 45 Landwirte, Imker und Gärtner aus dem Kreis eine Selbstverpflichtungserklärung der „gentechnikfreien Region Unterer Niederrhein” unterschrieben. Sie wollen auf ihren Grundstücken, mittlerweile 1116 Hektar Fläche, keine gentechnisch veränderten Pflanzen einsetzen. Auch Privatleute können sich beteiligen und die Arbeit der Initiative unterstützen. Weitere Infos unter Telefon 02802/6306 (Ruth Laakmann-Schreiber) oder bei Trude Karrenberg, Telefon 02842/42001, E-Mail

Quelle: NRZ, 23.6.2009

24. Juni 2009

Dinslaken auf dem Weg zur Fairtrade Stadt

In der Ratssitzung am 23.06.2009 beschloss der Rat der Stadt Dinslaken die Teilnahme am Wettbewerb „Fairtrade Towns“. Ziel ist es, den Fairen Handel zu unterstützen und einen Beitrag zu einer gerechteteren Welthandelsordnung zu leisten. Die Kampagne startete im Jahr 2000 in Großbritannien. Dort gibt es mittlerweile 380 Fairtrade-Towns und über 200 weitere Bewerbungen hierfür. In 19 Ländern weltweit bewerben sich Städte um das Fairtrade Zertifikat. Mehr als 600 Städte wurden bereits prämiert, darunter London Kopenhagen, Brüssel und bald auch Dinslaken. Anfang 2009 startete die Kampagne in Deutschland. Zur erste Fairtrade Stadt wurde im April Saarbrücken gekürt.

Damit Dinslaken Fairtrade Stadt werden kann, müssen fünf Kriterien angepasst an die Einwohnerzahl erfüllt werden. Mit dem Ratsbeschluss zur Teilnahme ist die erste Hürde genommen. Im Rathaus gibt es bei Sitzungen und im Büro der Bürgermeisterin seit sechs Jahren nur fair gehandelten Kaffee. Der Ratsbeschluss hierzu wurde nun nachgeholt und mindestens ein weiteres Produkt kommt neu hinzu. Teebegeisterte wird das freuen.

Eine Steuerungsgruppe muss die Aktivitäten vor Ort begleiten. Sie wurde bereits im Vorfeld eingerichtet. In Geschäften müssen fair gehandelte Produkte zu kaufen sein. Für Dinslaken werden 15 Geschäfte vorgegeben. Die Steuerungsgruppe ermittelte ohne Große Mühe auf Anhieb mehr als das Doppelte. In Cafés und Restaurants sollten ebenso faire Getränke zu finden sein. Mindestens acht Ausschankstationen müssen nachgewiesen werden. Hier sucht das Agenda-Büro noch dringend Restaurants, Kantinen und Cafés. „Auch ein Friseursalon, in dem die Kundschaft Kaffee aus Fairem Handel bekommen, würde dazuzählen“ so Lucie-Maria Rodemann, Agenda-Beauftragte der Stadt. Eine Schule, eine Kirchengemeinde und ein Verein muss die Stadt vorweisen, die sich um den Fairen Handel verdient gemacht haben. Da hat Dinslaken viel zu bieten. Gleich mehrere Schulen und Gemeinden sind sehr engagiert und die Eine Welt Gruppe Dinslaken e.V. besteht schon seit 29 Jahren. Zuallerletzt ist Voraussetzung, dass in den Medien über die Bewerbung berichtet wird.

Sobald alle Vorgaben erfüllt sind, kann die Stadt die Bewerbung zu TransFair e.V. nach Köln schicken. Hier laufen alle Fäden zusammen. Dann soll es eine große Feier geben, ähnlich wie am Montag dieser Woche in Neuss, der ersten Fairtrade Stadt in NRW. „Alle zwei Jahre wird kontrolliert, ob die Kriterien noch eingehalten werden. Kein Preis ohne Fleiß“, so Kathrin Bremer von TransFair. Interessierte, die gerne faire Produkte ausschenken oder sich anderweitig beteiligen möchten, melden sich bitte im Agenda-Büro unter 02064 – 66 550. Weitere Infos unter www.fairtrade-towns.de

19. Juni 2009

Clever, mobil und ausgezeichnet

Mibilitätswettbewerb 2009

Dinslaken/Kreis Wesel. 51 Betriebe mit 6588 Beschäftigten beteiligten sich
am kreisweiten Wettbewerb „Clever mobil und fit zur Arbeit“. Firmen und
Schulen waren aufgerufen, eine Woche lang das Auto stehen zu lassen.
Gewertet wurde jeder, der mit dem Rad, Bus oder Bahn, per Pedes oder auch
in einer Fahrgemeinschaft das Auto zumindest nicht allein nutze. Im Alten
Rathaus in Rheinberg verlieh die CDU-Landtagsabgeordnete und Schirmherrin
Marie-Luise Fasse die Preise.

In Dinslaken radelte erneut das Kollegium der Grundschule Hühnerheide, die
knapp den 3. Platz verfehlten. Die Volksbank Dinslaken konnte die Teilnahme
ihrer Beschäftigte im Vergleich zum Vorjahr um ganze 60 % erheblich
steigern. Neu dabei war die Barmer Ersatzkasse, die mit guten Beispiel
voran gehen will. Den Vogel abgeschossen hat das Wahlbüro Dinslaken. Mit
mehr als 90 % Beteiligung hat es in der Kategorie unter 10 Beschäftigte
trotzdem nicht gereicht, um auf die vorderen Ränge zu kommen. Hier wurde
Platz 1 mit jeweils 100 % Beteiligung aller Beschäftigten gleich sieben mal
vergeben. Das Los entschied und so nahm die Evangelische Kindertagesstätte
Vluyn den Wanderpokal stellvertretend für alle entgegen. Platz zwei und
drei entfielen.

In der Kategorie bis zu 50 Beschäftigte radelten sich das Familienzentrum
mit der Kindertagesstätte Leibnizstr. Neukirchen-Vluyn auf Platz 1. Die
weiteren Siege gingen nach Rheinberg an den Malerbetrieb Riekötter (Platz
2) und die Firma Schagen & Eschen GmbH (Platz 3).

In der Kategorie über 50 Beschäftigte erreichten die Plätze eins bis drei
die Stadt Rheinberg, die Firma Michael Schiffer GmbH & Co KG, ebenfalls in
Rheinberg, und die Gemeinde Alpen.

Erstmals wurde ein Fahrrad unter allen Teilnehmenden verlost. Das
Laboratorium Berns in Neukirchen-Vluyn wird es als Dienstfahrrad im Betrieb
stehen lassen.

30. Mai 2009

Mastbetrieb: Kritik wächst

Grüne und BUND zweifeln das Genehmigungsverfahren zum geplanten Hähnchenmastbetrieb in Üfte an: alte Daten, eine unsachgemäße Prüfung beim Kreis. Für Ärger sorgt ein Brief eines Verwaltungsmitarbeiters.

Schermbeck Die Kritik am geplanten Hähnchenmastbetrieb in Üfte wird größer: Grüne und BUND haben sich im Kampf gegen den Bau der Anlage einen Gutachter aus Goslar an die Seite geholt. Knut Haverkamp, BUND-Mitglied und Sachverständiger für Immissionsschutz, hat sich in Üfte umgesehen und eine Stellungnahme zum Geruchsgutachten des Antragsstellers verfasst. Ulrike Trick, Sprecherin der Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz fasst die Ergebnisse zusammen: „Das Gutachten des Antragsstellers basiert auf alten Daten.“ Konkret sind Wetterdaten aus den Jahren 1981 bis 1990 gemeint.

„Normalerweise ist es üblich, die aktuellen Zahlen beim Deutschen Wetterdienst anzufordern, um eine Ausbreitungsprognose erstellen zu können. Das ist nicht geschehen.“ BUND und Grüne wollen dies nun nachholen, haben die Daten über Luftströme etc. beim Deutschen Wettedienst angefordert. „Dies ist jedoch mit Kosten von rund 600 Euro verbunden. Im Anschluss wollen wir ein Gegengutachten erstellen lassen“, sagt Trick.

Zudem sei auch das zweite Geruchsgutachten des Antragsstellers fehlerhaft. Trick: „Die Tierzahlen stimmen nicht. Es gibt keine Lärm- und Staubprognose, keine Ammoniakwerte.“ Zur Emissionsstärke sagt der Sachverständige aus Goslar: „Auffällig ist, dass die Gutachter fast ausschließlich am unteren Ende der gemessenen Werte liegen und diese teilweise noch deutlich unterschreiten. Dabei stellen sie weder dar, wie sie zu ihren Faktoren kommen, noch woher sie diese beziehen.“

Dr. Christian Winterberg (Grüne) und Ulrike Trick werfen dem Kreis Wesel als Genehmigungsbehörde vor, die Glaubwürdigkeit beider Geruchsgutachten nicht hinterfragt zu haben. „Das ist erst auf unsere Anregung hin geschehen“, sagt Trick. Anwohner Dieter Chlebusch hat unlängst eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der Bezirksregierung eingereicht (RP berichtete). Für Ärger sorgt zudem ein Leserbrief, der jüngst in einer Zeitung zu lesen war. Darin schießt ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung (Bauaufsicht) als Privatperson gegen die Gegner des Hähnchenmastbetriebes. „Das darf nicht geschehen. Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, bei dem noch so viele Frage offen sind“, sagt Hubert Kück, Landratskandidat der Grünen. Er sieht den Landrat in der Pflicht. „Das Geschmäckle muss ausgeräumt werden.“

Den Brief kommentiert Fachbereichsleiter Willi Rittmann: „Das war nicht sehr klug.“ Konsequenzen schließt er aus. „Der Mitarbeiter ist nicht im Genehmigungsverfahren tätig. Dies obliegt der Fachgruppe Immissionschutz.“ Interne Berührungspunkte gebe es nur im Bereich Baugenehmigung.

weitere Infos

VON JULIA NAKÖTTER,RHEINISCHE POST, WESEL30. MAI 2009

23. April 2009

Ohne Fleiß kein Mais

Landwirte aus den Kreisen Wesel und Kleve setzen sich für eine gentechnikfreie Region ein.

Kreis Wesel. Es kann ganz schnell gehen. Ein Landwirt baut genmanipulierten Mais an, erntet, transportiert ihn und verliert Maiskörner. Die bleiben dem nächsten unter den Füßen kleben, der sie völlig unbeabsichtigt zum nächsten Landwirtschaftsbetrieb trägt. Dorthin, wo er sich fortpflanzen kann – und der Kreislauf beginnt, die Verbreitung der sogenannten grünen Gentechnik ist nicht mehr aufzuhalten... Stopp! So weit ist es im Kreis Wesel noch nicht gekommen und: „Wir wollen das hier auch nicht”, sagt der Alpener Landwirt Martin Wache. Deshalb kämpft er gemeinsam mit Trude Karrenberg und Ruth Laakmann-Schreiber vom Schanzenhof für eine „Gentechnikfreie Region Unterer Niederrhein”.

Es ist eine Mischung aus Angst und Sorge, die die Drei laut werden ließ. Sorge davor, dass sich die grüne Gentechnik schneller am Niederrhein verbreitet als gedacht. Angst davor, dass dieser Prozess wie in den USA und Kanada nicht mehr aufzuhalten ist. „Man bekommt dort ja kaum noch genfreie Sojabohnen”, weiß Landwirt Martin Wache, der selbst darauf achtet, dass er genfreies Tierfutter bekommt. Was nicht immer einfach ist. Denn die USA beispielsweise liefern Futter nach Deutschland.

Dabei ist Wache nicht einmal ein Biobauer, sondern ein konventioneller Landwirt. Will heißen: Er verwendet – so wenig wie möglich – Pflanzenschutzmittel in seinem Betrieb. Aber darauf zu verzichten und auf grüne Gentechnik zu setzen, das kommt für Martin Wache nicht in Frage. Weil man die Risiken nicht abschätzen kann. „Damit wird die Evolution ausgehebelt”, sagt Ruth Laakmann-Schreiber, Landwirtin des Alpener Biobetriebes Schanzenhof.

Warum aber eine Initiative für eine gentechnikfreie Region, wo sie doch schon gentechnikfrei ist? „Die Gefahr ist ja doch da”, sagt Trude Karrenberg. Schließlich ist die Entscheidung der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, den Genmais Mon810 zu verbieten, eine Einzelfallentscheidung. Schließlich gibt es auch Raps, Kartoffeln, Soja und Rüben, die gentechnisch bearbeitet werden – zwar nicht in NRW, aber zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben immer über das Thema gesprochen. Jetzt zeigen wir: Wir wollen so etwas hier nicht”, sagt Trude Karrenberg. Ende März trafen sich 25 interessierte Landwirte, Gärtner und Imker in Wesel, um sich über die Gründung einer gentechnikfreien Region zu informieren. Unterstützung erhielten sie dabei auch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. In einer schriftlichen Erklärung verpflichten sich Landwirte oder Verpächter unter anderem, kein genverändertes Saat- und Pflanzgut einzusetzen. Haben die Initiatoren damit 70 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in den Kreisen Wesel und Kleve zusammen, ist der untere Niederrhein eine gentechnikfreie Region. Was nicht heißt, dass hier nicht mit Gentechnik gearbeitet werden darf. „Es ist eine Willensbekundung. Ein politisches Statement”, sagt Trude Karrenberg.

Die Selbstverpflichtungserklärung sowie Infos gibt es bei Ruth Schreiber-Laakmann 02802/6306, Martin Wache 02802/4875 oder bei Trude Karrenberg 02842/42001. Im Sommer soll es eine Infoveranstaltung geben.

3. April 2009

Naturschutz benötigt mehr Geld – Beratungsbedarf bei der Politik

Eine Förderung von 100.000 Euro hatte die Biologische Station für den Natur- und Umweltschutz beantragt. Die Kreisverwaltung hatte im Haushalt 50.000 Euro, also bereits eine Erhöhung um 40.000 Euro vorgesehen. SPD und Grüne unterstützten mit eigenen Anträgen die Forderung der Biostation, während die CDU im Umwelt- und Planungsausschuss noch Beratungsbedarf anmeldete.

Deshalb wurde auch der Antrag der NABU-Kreisgruppe Wesel auf Gewährung von 4.000 Euro für das Pilotprojekt „NABU-Bildungswerkstatt“ (Experten bringen Kindern in Kindertagesstätten und Schulen den Naturschutz nahe) zur weiteren Beratung in den Kreisausschuss vertagt.

Klaus Lorenz, Vorstandsvorsitzender der Biostation, hatte dem Ausschuss ausführlich dargelegt, wie wichtig es sei, die beantragten 100.000 Euro für den Naturschutz bereit zu stellen. Denn mit dem Geld könne man möglicherweise 400.000 Euro an zusätzlichen EU-Fördermitteln erhalten, hätte also dann insgesamt  500.000 Euro zur Verfügung.

Lorenz: „Wir sind im Naturschutz zwar bereits in der Spitzenklasse in NRW, könnten aber vieles noch weitaus besser machen. Dafür brauchen wir finanzielle Klarheit, nicht zuletzt um damit langfristige Planungssicherheit zu haben und auch Mittel der EU abrufen zu können.“

Seine eindrucksvolle Präsentation beendete er mit dem Aufruf an die Politiker: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Kinder und Enkel in einem Kreis groß werden, in dem sie den Wert der Schöpfung noch hautnah erleben können.“

Der Technische Dezernent Hans-Joachim Berg bat den Umwelt- und Planungsausschuss, bei beiden Anträgen möglichst zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Einstimmig - bei Enthaltung der FDP - stimmte der Ausschuss dem ersten Teil des Grünen-Antrags zum gentechnikfreien Kreis Wesel zu. Dieser sieht vor: „Der Kreis Wesel verpflichtet sich, hinsichtlich seiner eigenen Flächen auf den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen (Saatgut, Gras) zu verzichten. Verträge mit Pächtern von kreiseigenen Grünland- und Ackerflächen werden entsprechend geändert.“

Den zweiten Teil des Antrags, in dem es um die freiwillige Einrichtung einer gentechnikfreien Region geht, soll die Verwaltung noch einmal so umformulieren, dass auch er möglichst einheitlich angenommen werden kann.

Der Kreisausschuss wird sich hiermit am 12. März befassen.

1. Juli 2005

Erste Passivhaus-Schule in NRW eingeweiht

Pressemitteilung der Energieagentur NRW

Dinslaken.   Erstmals ist in NRW ein Schulgebäude nach den Regeln der Passivhausbauweise erstellt worden. Das Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) hat beim Bau seines neuen Techniktraktes Pionierarbeit geleistet und gezeigt, dass die Passivhausbauweise nicht nur bei Wohngebäuden  zum Einsatz kommen kann, sondern auch bei öffentlichen Gebäude. So wurde ein Quantensprung in Sachen Energieeffizienz möglich. Bei der feierlichen Eröffnung überzeugte sich heute eine illustre Gästeschar, angeführt von  Sabine Weiss, Bürgermeisterin der Stadt Dinslaken sowie Schüler, Lehrer und Öffentlichkeit von der neuartigen Architektur. Die Idee, in Passivhausbauweise zu arbeiten, ging nach einer entsprechenden Anfrage der Schulpflegschaft von der Energieagentur NRW aus. Die Energie-Experten vermittelten Architekten und Bauherren im Rahmen einer Initialberatung das nötige Know-how zu Technik und Finanzierung.

Mit dem Passivhaus-Standard soll der Energiebedarf von Gebäuden so weit wie möglich reduziert werden. Als Maximalwerte gilt für den Wärmebedarf eine Obergrenze von 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Einfamilienhäuser mit diesen Werten brauchen in der Regel keine konventionelle Heizung, sondern nutzen ein ausgeklügeltes Lüftungssystem, um das Gebäude zu erwärmen. Zum Vergleich:
Schulen, die im "normalen" Baustandard nach Energieeinsparverordnung errichtet werden, erreichen üblicherweise Kennwerte von 70 bis 100 kWh/m²a.
Schulen, die vor der Wärmeschutzverordnung von 1995 errichtet wurden, haben Werte von bis zu 250 kWh/m2a.

"Mit dem Neubau knüpfen wir wieder an die Tradition Otto Hahns an", erklärte Schulleiterin Christine Rolfs mit Blick auf den Nobelpreisträger, der bei der Einweihung der Schule 1967 persönlich anwesend war. Die Passivhausbauweise ist bei Wohngebäuden bereits gut erprobt. Für öffentliche Gebäude hingegen liegen erst wenige Erfahrungswerte vor. Fachleute erhoffen sich vom neuen Gebäude einen Know-how-Gewinn. Auch deshalb förderte das Land NRW das Projekt mit über 80.000 Euro.  Mit einer Bauzeit von 15 Monaten blieb die Stadt Dinslaken als Bauherrin im  Planungssoll. "Wir haben die Initiative der Schule gerne unterstützt", berichtet Oberbürgermeisterin Sabine Weiss. "Sie verbindet  ausgeklügelte Technik in vorbildlicher Weise mit Energieeffizienz und praktischem Klimaschutz ."

Um 1.950 m² Fläche auf  drei Geschossebenen  wurde das Otto-Hahn-Gymnasium erweitert, die Baukosten lagen bei 3,4 Millionen Euro. Die Wärmekosten für den Neubau fallen pro Jahr um geschätzte 15.000 Euro niedriger aus als bei einem durchschnittlichen, konventionellen Bestandsgebäude.
Steigende Energiepreise in den kommenden Jahren lassen die Vorteile der Passivhausbauweise noch stärker finanziell zu Buche schlagen. Entscheidend für den geringeren Ressourcenverbrauch sind insbesondere eine optimierte Gebäudedämmung  sowie die Nutzung von Erdwärme und eine gezielte Wärmerückgewinnung. Die  Dinslakener profitieren dabei von der räumlichen Nähe zum Rhein. Der Grundwasserspiegel liegt hoch und schafft besonders günstige Bedingungen für den Einsatz von Erdwärme. Denn das tieferliegende Erdreich ist feucht und begünstigt deshalb den Prozess der Wärmegewinnung.
So kann der neue Trakt ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe beheizt werden. Besonderer Clou: Im Sommer lässt sich die Anlage zur Kühlung einsetzen.

Die Energieagentur NRW hat den Techniktrakt des Otto-Hahn-Gymnasiums als "Projekt des Monats" ausgewählt.
Weitere Informationen bei der Energieagentur NRW, Verena Müller, Kasinostr. 19 -21, 42103 Wuppertal, Tel.: 0202/24552-29, Fax: 0202/24552-50, E-Mail: verena.mueller@ea-nrw.de , Internet www.energieagentur.nrw.de .

Quelle: http://www.bund-wesel.de/aktuell/nachrichten/